LONDBOY - Shounen Jihen

review - 29.12.2016 05:00

Aufstand der Jugend: Bahnt sich eine neue Macht in der japanischen Untergrundszene an?

Künstler: LONDBOY
Titel: Shounen Jihen
Typ: Album
Stil: Visual Kei
Veröffentlichung: 12.10.2016
Wertung: 7 / 10

Tracklist:
1. Open your heart
2. Bitansan Music
3. Reimei Absolute
4. Steamboy
5. DATURA
6. ATHENA
7. Retsu
8. Tokyo Minority (exklusiver Bonustrack der regulären Edition)
9. reLANDtune.
10. Pray
11. GLORIA
12. Iris
13. Gift


Mit LONDBOY hat die Visual-Kei-Talentschmiede B.P. Records einmal mehr ein heißes Eisen im Feuer. Mit vier Ex-Noctscure-Mitgliedern sowie einem neuen Sänger bestückt, war das Quintett die letzten Monate eifrig damit beschäftigt, so ziemlich jede von B.P.s organisierten Touren zu eröffnen und weckte somit auch das Interesse des hiesigen Schreiberlings. Im Oktober diesen Jahres und damit gut ein Jahr nach der Bandgründung, erschien schließlich das erste Album der Formation um Sänger ROY. "Shounen Jihen" heißt das gute Stück und wartet in der limitierten Edition mit zwölf Songs und einem Musikvideo auf. Käufer der regulären Fassung dürfen sich hingegen auf ganze 13 Lieder freuen, müssen aber auf das Video verzichten. Ob sich der Kauf lohnt, haben wir von JaME selbstverständlich eingehend geprüft.

Für Fans der härteren Spielarten lässt sich dies aber schon von Beginn an verneinen. Anders als man es von den Bandmitgliedern erwarten dürfte, finden sich LONDBOY musikalisch irgendwo zwischen Royz und REALies wieder. Sonderlich kreativ mag dies angesichts des Überangebots an solchen Bands nicht anmuten, doch macht das Quintett seine Sache mehr als ordentlich. Gerade die beiden schon vorab veröffentlichten Singles "Open your heart" und "Iris" zeigen, dass die Jungs durchaus eines Tages bei den ganz Großen mitspielen könnten und wissen, wie man einen Visual-Kei-Hit schreibt. Ebenfalls empfehlenswert ist das mit Rap-Passagen versehene "DATURA", welches von Beginn an wuchtig und brutal aus den Boxen dröhnt und vielleicht den melodisch besten Song der Platte darstellt. Diesem Muster folgend sind es die schnellen und dynamischen Live-Songs wie das starke "Bitansan Music" oder das fetzige "Reimei Absolute", welche auf "Shounen Jihen" so richtig Spaß machen. Zwar mag der eine oder andere Übergang etwas holprig und gezwungen klingen, doch kann dies wohl mit gutem Gewissen unter der Kategorie Anfängerfehler vermerkt werden.

Schwerwiegender ist dagegen die kaum wahrnehmbare Variation zwischen den Liedern, welche einem gerade in der ersten Hälfte des Albums schmerzhaft bewusst wird. Musikalisch folgen LONDBOY, abgesehen von wenigen Ausnahmen, immer dem gleichen Rezept. Das heißt melodischer Gesang auf einem Bett aus harten Riffs, welche mit elektronischen Samples gewürzt und hin und wieder mit recht berechenbaren Break Downs serviert werden. Im Zusammenhang mit der Tatsache, dass manche Songs wie "ATHENA" fast notorisch überladen wirken und der nicht ganz sauberen Produktion, sorgt dies im Laufe des Albums dafür, dass die Songkonturen langsam beginnen miteinander zu verschwimmen. In der Folge ertappt man sich mehr als einmal beim Tagträumen und lässt die CD schnell zur reinen Hintergrundbeschallung verkommen. So hat man nach dem ersten Durchgang zwar das Gefühl, alles andere als eine schlechte Platte gehört zu haben, kann sich aber mit Ausnahme von "DATURA" und den Singles einfach an keinen Song erinnern.

Eine willkommene Abwechslung stellt hierbei das Duo "reLANDtune." und "Tokyo Minority" dar. Während "reLANDtune." die obligatorische, aber trotzdem schöne Ballade des Albums ist, überrascht der auf die reguläre Edition limitierte Bonus-Track "Tokyo Minority" mit tollem Groove und Zirkus-Grusel-Melodie. Warum der Midtempo-Song jedoch zum Bonustrack degradiert wurde, will sich mir bis dato nicht ganz erschließen. Allerdings können auch diese nicht verschleiern, dass LONDBOYs Debütalbum die ganz großen Momente fehlen und man nur selten bis gar nicht ins Staunen verfällt. Fällt aber kaum ins Gewicht, denn glücklicherweise verzichtet "Shounen Jihen" auch auf jeglichen Ausreißer nach unten.

Fazit: Mit "Shounen Jihen" gelingt LONDBOY ein bei weitem nicht perfektes, aber solides Debütalbum, welches durchaus zu unterhalten weiß. Wer auf mit elektronischen Samples versehenen Rock steht und Bands wie Royz oder FoLLoW zu seinen Favoriten zählt, sollte auf jeden Fall einmal einen Blick riskieren. Denn LONDBOY besitzen Potenzial, wie man gut an "DATURA" sehen kann, und mit ein paar Jahren mehr Erfahrung könnte das Quintett irgendwann einmal zu den größeren Acts der Szene aufzusteigen. Ich für meinen Teil erwarte jedenfalls mit Spannung einen Nachfolger und freue mich darauf die Entwicklung der Band weiterhin verfolgen zu können.

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