SAVAGE vs. SCAPEGOAT - Seisatsuyodatsu Vol. 3

konzertbericht - 27.12.2016 05:00

JaME war für euch bei der dritten Ausgabe der Two-Man-Tour dabei und berichtet euch direkt aus Osaka. Mit dabei: Shellmy und DIEALO

An einem regnerischen Herbstabend fanden sich zwei wohlbekannte Namen, SAVAGE und SCAPEGOAT, im kleinen und beschaulichen Ruido mitten in Shinsaibashi ein. Dies war ein hervorragendes Billing, das JaME nicht ignorieren konnte. Mit DIEALO und den neu formierten Shellmy hatte man sich zusätzlich um zwei lokale Vorbands bemüht. Das einzig Negative war, wie immer, die Temperatur. Auf die Klimaanlage im Ruido ist immer Verlass: Osaka Ruido - hier frieren sie zu jeder Jahreszeit! Über die Akustik in dem kleinen Livehouse konnte man sich bislang jedoch nie beschweren.

Shellmy

Nach einer überschaubaren Wartezeit betrat mit Shellmy die erste Vorband die Bühne und konnte sich gleich über ein schon kräftig gefülltes Haus freuen. Fast 200 Zuschauer hatten sich trotz der frühen Einlasszeit in der Halle eingefunden, was zwar überraschend kam, aber vor allem die Band freute. Denn diese gaben wirklich alles. Wirklich überspringen wollte der Funke allerdings nicht, was zwar sicherlich auch am Vorband-Status lag, größtenteils aber wohl eher der Tatsache geschuldet war, dass man mit dem netten Schulkind-Design nicht so ganz in das Abendprogramm passen wollte. Vom Opener "Kimi no kubi o shimeru uta" an rannte Sänger Hyo samt Schulranzen von einem Bühnenende zum nächsten, während Gitarrist Kaoru irgendwann anfing, Bonbons in die Menge zu werfen. Bestechungsversuch hin oder her, musikalisch war das, was Shellmy boten nicht unbedingt das Gelbe vom Ei. Im zweiten Song des Abends, "Flashback Lollypop", schaffte es Sänger Hyo doch zu selten, sich gegen den ziemlich wummernden Bass durchzusetzen. Das etwas unterkühlte Publikum nahm die Performance jedenfalls mit großer Gleichgültigkeit hin und nur vereinzelt sah man mal eine in die Luft gereckte Faust oder fliegende Haare.

Setlist:
1. Kimi no kubi o shimeru uta
2. Flashback Lollypop
3. Zekko
4. Soshaku
5. Hokage no kyoshitsu

DIEALO

Mit DIEALO durfte sich eine Band als zweite Vorband zeigen, welche nur eine Woche zuvor an selbiger Stelle ihren ersten und ausverkauften One-Man gegeben hatte. Angeführt von ex-BIOSPHIA-Fronter NARU zeigte das Quintett, welches bei Crow Music unter Vertrag steht, schon mit dem Opener "Kokuin" wie sie das bewerkstelligt hatten. Professionell und abgezockt rockten sich DIEALO durch ihr durchgehend hartes Set, wobei vor allem Gitarrist AKI sich ausgiebig an seiner Gitarre räkelte. Dem weiblichen Anhang gefiel es. Glücklicherweise hatte sich im Vergleich zu Shellmy auch die Soundqualität gesteigert und so waren endlich auch die Gitarren hörbar, was das Publikum zu mehr Bewegung veranlasste. Mit "Strawberry Fuzz", welches für DIEALO-Verhältnisse mit vergleichsweise vielen elektronischen Samples daherkam, und dem obligatorischen "BEGONIA" konnten die Jungs das Publikum noch einmal ordentlich anheizen und ihrem Job als Vorband vollauf gerecht werden. DIEALO sollte man als Fan der härteren Gangart auf jeden Fall einmal im Auge behalten!

Setlist:
1. Kokuin
2. Distrust
3. Kawaki
4. Strawberry Fuzz
5. BEGONIA

SCAPEGOAT

Durch einen weiteren Zustrom an Zuschauern kündigten sich schließlich die beiden Headliner des Abends an. Unschwer an der Kleidung des Publikums zu erkennen, wurde schnell klar, dass wohl SCAPEGOAT am heutigen Abend den ersten Main-Act-Slot belegen würden. Zum unheimlichen "SCREEN." betrat Drummer Tatsuki als Sensenmann verkleidet die Bühne, was der Atmosphäre des Abends mehr als gerecht wurde. Nachdem dieser den Rest der Band auf die Bühne gerufen hatte, begannen SCAPEGOAT ohne Umschweife mit dem eigenwilligen "Kokumajutsu gokko". Die Fans bereiteten den Visual-Keiern einen fantastischen Empfang und gaben sich keine Blöße. Vielmehr war von Minute Eins an volle Leibesertüchtigung gefragt und das Ruido verwandelte sich in einen Mahlstrom aus fliegenden Haaren und im Takt geschwungenen Fäusten. SCAPEGOAT legten mit dem Live-Song "missing" direkt nach und sollten das kleine Livehouse für die komplette Setlänge nicht mehr aus der Hand geben.

Mit "Shishunki to densenbyou" hatte sich auch eine Ballade in die Setlist geschlichen, womit wir auf Sänger Haru zu sprechen kommen. Denn dieser zeigte sich in beeindruckender Form und schaffte es, die mitunter anspruchsvollen Melodien und Technikwechsel der SCAPEGOAT-Diskographie ohne jegliches Zittern auf das Parkett zu bringen. Haru und seine Kollegen erzeugten mit ihrer Musik eine düstere Atmosphäre, geprägt von den Abgründen der menschlichen Seele. In dieser rauen See aus Verzweiflung und Melancholie wirkte der Klassiker "Akai Bathroom" wie ein Katalysator und setzte noch einmal einen drauf, was die rege Beteiligung am munteren Haare-Schütteln anbelangte. Zuvor hatte man für den Song "Samishigariya no binzume shojo" kurzerhand Bassist LAYHA mit SAVAGE-Bassist JUN ausgetauscht, was von den Fans ebenso begeistert empfangen wurde wie das abschließende "Kyozetsu". Die A-Seite der neuesten Single-Veröffentlichung "Hedoro" holte noch einmal das Letzte aus den Angereisten raus, bevor sich der Vorhang schließlich schloss.

Setlist:
1. SCREEN.
2. Kokumajutsu gokko
3. Dramatic Effect
4. missing
5. Shishunki to densenbyou
6. invidia
7. Saikona bansan
8. Samishigariya no binzume shojo (mit SAVAGE-Bassist JUN)
9. Akai Bathroom
10. Kyozetsu

SAVAGE

Doch noch war der Abend nicht vorbei, denn mit SAVAGE stand der zweite Headliner schon fertig in den Startlöchern. Zwar hatte sich die Halle ein bisschen geleert, allerdings änderte dieser Umstand nichts. Weder an der Begeisterung der Fans, noch an SAVAGEs energiegeladenem Auftreten. Egal wie oft man sie bis dahin auch schon live gesehen haben mag, die Wucht mit welcher der Opener "GAME" um die Ohren schoss, wurde dadurch nicht geschmälert. Mit einem brutalen Break Down startete das finstere "Migite no Knife hidarite no hiss" und spätestens bei "Akai tsume", erreichte das Stimmungsbarometer ähnliche Höhen wie zuvor schon bei SCAPEGOAT. Sänger Ryuka gelangen die schwierigen Wechsel zwischen Growls und Clean Vocals ohne Probleme und putschte das ohnehin schon feiernde Publikum immer weiter auf.

Dieses durfte sich schließlich auf das wahnsinnige "Kyogenheki B no shiko kairo" freuen, welches wohl unter die Kategorie musikalische Epilepsie fällt und vor allem live eine beeindruckende Erfahrung darstellt, die einem wortwörtlich den Wahnsinn unter die Haut kriechen lässt. Kurz darauf gab es die Retourkutsche für den Besetzungswechseln bei SCAPEGOAT, sodass SCAPEGOAT-Saitenklopfer LAYHA beim wilden "Waisetsunanba" ordentlich in die Saiten greifen durfte. Ryuka nutzte die Gelegenheit zu einem spontanen Bad in der Menge, während Gitarrist Takeru sich am Dirigieren ebenjener versuchte. Nach nur acht Songs beendeten SAVAGE ihr Konzert mit den Live-Kracher "Password" leider viel zu früh, doch dafür mit ordentlichem Wumms und ganz viel Moshing.

Setlist:
1. MADNESS
2. GAME
3. Migite no Knife hidarite no hiss
4. Akai tsume
5. Kyogenhiko B no shiko kairo
6. Bogus Duty
7. Psychopath
8. Waisetsunanba (mit SCAPEGOAT-Bassist LAYHA)
9. Password

So lässt sich unterm Strich von einem mehr als gelungenem Konzertabend sprechen, an welchem insbesondere die beiden Headliner SCAPEGOAT und SAVAGE mit ihrer immensen Live-Qualität beeindrucken konnten. Doch nicht nur die Performance der Bands konnte Eindruck hinterlassen, auch musikalisch überzeugten die beiden Bands an jenem Abend vollends! Nur Shellmy enttäuschten, da man von einer Vorband einfach ein bisschen mehr erwartet, was allerdings von DIEALO ziemlich gut aufgefangen wurde.
künstler
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