-Shintenchikaibyakushudan- Zigzag - Tsunagaritai

review - 06.01.2017 05:00

Heute schon exorziert? Mit Zigzag erhebt sich eine neue Macht in Kansai und wir haben alle Infos für euch parat.

Künstler: -Shintenchikaibyakushudan- Zigzag
Titel: Tsunagaritai (繋がりたい)
Typ: Mini-Album
Stil: Visual Kei
Veröffentlichung: 01.04.2016
Wertung: 7/10

Tracklist:
1. Tsunagaritai / 繋がりたい
2. Yuri no hana / 百合ノ華
3. Kare no yume, maboroshi / 彼ノ夢、幻。
4. Akuryo taisan / 悪霊退散
5. Aishi kijo kyokaisei / 愛シ貴女狂怪性
6. Izayoi / 十六夜

Im Januar diesen Jahres wirkte es, als hätte der Visual-Kei-Ausflug der GIZA studios ein jähes Ende gefunden. Schon im Jahr zuvor hatte der Crimzon-Eigner das Label Rozetta von der Gehaltsliste gestrichen, während man bei Crimzon mit der Auflösung von Gimmick. den ersten Verlust im Label-Line-Up hinnehmen musste. Anfang 2016 kam es noch dicker, als Shounenki, das bis dato unangefochtene Zugpferd des Kansaier Labels, ebenfalls seinen Abschied ankündigte. Doch man gab nicht auf im Hause GIZA und zauberte bei der Crimzon-Label-Nacht Visual Graffiti Vol. 4 mit -Shintenchikaibyakushudan- Zigzag einen wahren Zungenbrecher aus dem Hut (Aufgrund der hohen Fingerbelastung im Folgenden nur noch als bezeichnet). Schon acht Monate vor dem Label-Eintritt aktiv, hatte das Visual-Kei-Trio zuvor einige live-limitierte Singles veröffentlicht, die, nun unter Crimzon-Banner, im April mit dem Titel "Tsunagaritai" neu aufgelegt wurden. Wir von JaME haben uns das dabei entstandene Mini-Album angehört und verraten euch, wie viel Potenzial tatsächlich in Zigzag schlummert.

Denn dieses ist reichlich vorhanden, äußert sich allerdings auf anderen Wegen als vielleicht erwartet: Von der fröhlichen Unbeschwertheit der RayºC-Tage ist trotz gleichem Line-Ups nicht mehr viel zu spüren. Vielmehr beschäftigen sich Zigzag mit dem spannenden Thema des Exorzismus, welches wegen seiner Ausstrahlung fast schon traditionell mit einem dunklen und harten Klangbild einhergeht. Dieses reichert das Trio mit traditionell japanischen Instrumenten an, sodass man bisweilen an die Genre-Kollegen von Zin oder Kiryu erinnert wird. Dabei ist die nach Osaka umgezogene Rock-Kapelle allerdings kein liebloser Abklatsch, sondern geht mitunter ihren eigenen Weg, wie sich schon am eigenwilligen Opener "Tsunagaritai" eindrucksvoll zeigt. Dieser macht in gerade einmal zweieinhalb Minuten klar, dass Zigzag auf jegliche Konventionen pfeifen und gerne auch einmal das eigene Genre ordentlich auf die Schippe nehmen. Hier wird einem ohne großes Federlesen ein klassischer Live-Track als erster Gang serviert, der mit seinen schnellen Riffs direkt zum Headbangen einlädt und obendrein noch Tage später durch den Gehörgang geistert. Und das alles bei der einer knapp bemessenen Laufzeit von gerade einmal zweieinhalb Minuten. Wie sagt man gleich nochmal? In der Kürze liegt eben die Würze.

Doch es finden sich nicht nur die schon vor erwähnten live-limitierten Lieder auf der Platte wieder, sondern mit "Yuri no hana" haben Zigzag dem geneigten Käufer auch einen ganz neuen Song spendiert. Dieser stellt aber auch den Tiefpunkt der Platte und wirkt gerade im Vergleich zum restlichen Aufgebot mager und langweilig. Macht aber nichts, denn was Zigzag sonst so auf ihrer Debütscheibe auffahren, ringt einem durchaus Respekt ab. Mehr als einmal beweist das Trio sein Talent für tolle und packende Melodien, welche allerdings einige Umdrehungen zur Entfaltung brauchen. Einmal in voller Blüte begeistern Songs wie "Aishi kijo kyokaisei" und "Izayoi" aber dermaßen, dass es einen nur noch schwerlich auf dem Hocker hält. Einen großen Anteil an dieser Sogwirkung hat neben der traditionellen Instrumentierung vor allem die Stimme von Sänger Mikoto. Diese beherrscht nicht nur die gängigen Gesangstechniken des Visual Keis im Schlaf, sondern nutzt auch Ansätze des klassischen, japanischen Gesangs, was Liedern wie dem balladesken "Kare no yume, maboroshi" zu viel Atmosphäre und Authentizität verhilft.

Mindestens ebenso gut präsentiert sich das wuchtige "Akuryo taisan", welches den live anwesenden Tsunagari sicherlich mächtig einheizen dürften. Wäre da nur nicht dieses fehl platzierte Dubstep-Segment im Mittelteil, welches so gar nicht zur aufgebaute Atmosphäre und Mikotos Yokai-Vocals passen will. Schade, denn der gewaltige Refrain lässt einem bei jeder Umdrehung immer wieder aufs Neue Freudenschauer über den Körper wandern und ist schlichtweg grandios. Mit deutlich weniger Ruhm bekleckert sich leider die Produktion, welche oft die nötige Fülle vermissen lässt und dem Album viel von seiner Härte nimmt. Stattdessen klingt das Riff von "Yuri no hana" als hätte man es in der heimischen Blechtonne aufgenommen, was dem Lied viel von seiner Stimmung raubt. "Tsunagaritai" klingt oft flach und gezähmt, als hätte man einen zahnlosen Löwen vor sich, der mit einer Leine an den nächsten Baum gebunden wurde. Hier sollte bei der nächsten Scheibe auf jeden Fall nachgebessert werden, womit wir auch schon beim Fazit angelangt werden.

Fazit: Zigzag schaffen mit "Tsunagaritai" aus dem Stand den Sprung zu einer Visual-Kei-Band mit welcher in Zukunft auf jeden Fall zu rechnen sein sollte. Die CD sprüht nur so vor tollen Melodien und erfrischenden Einfällen, auch wenn es für die Produktion Abzüge in der B-Note gibt. Crimzon könnte sich mit dem Trio eine neue Trumpfkarte an Bord geholt haben, welche bei ausreichender Pflege weit kommen dürfte. Vorausgesetzt, man weitet seinen Aktivitätskreis über Kansai hinaus aus. Zu gönnen wäre es ihnen, da Zigzag mit ihrem Humor, sowie wirklich tollen Live-Shows endlich einmal wieder für frischem Wind im inzwischen angestaubten Visual-Kei-Alltag sorgen. Aus diesem Grund kann ich "Tsunagaritai" auf jeden Fall allen empfehlen, die sich auch nur ansatzweise für Visual Kei interessieren! Und wenn nicht, hört trotzdem rein! Lohnen tut es sich auf jeden Fall.
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