PLASTICZOOMS - PLASTICZOOMS

review - 27.01.2017 11:00

Achtung: Tanzalarm!

Künstler: PLASTICZOOMS
Titel: PLASTICZOOMS
Typ: Album
Stil: New Wave, Post Punk, Synthie Pop
Veröffentlichung: 11. Januar 2017 (Japan und Europa)

Tracklist:
01. Frontal Attack
02. The Future
03. Quite Clearly
04. Minds
05. Highway
06. U12
07. Night and Hurt
08. Smoke Motion
09. Veiled Eyes
10. Breitenbach


Im vergangenen Jahr versprach die New Wave-Band PLASTICZOOMS, dass sie bereits Pläne für 2017 hätte und an eingängigeren Stücken arbeiten wolle. Am 11. Januar erschien nun der aktuelle Langspieler der Band unter dem Titel "PLASTICZOOMS" in Japan und Europa. JaME hat sich einen Eindruck der zehn Tracks des Albums verschafft.

Schon der erste Track macht deutlich, dass PLASTICZOOMS mit ihrem selbstbetitelten Album eine neue Richtung eingeschlagen haben. Der energiegeladene Start von "Frontal Attack" mit starken, digitalen Techno- und Dancesounds hat etwas Hypnotisches und positioniert die Band vor allem stärker in der Synthie Richtung als im Post Punk. Gute drei Minuten volle Electro-Power, stetig vorangetrieben vom Synthesizer und Toms Gitarrenriffs. Ein klasse Intro mit einem passenden Titel, das sofort für ordentliche Tanzwut sorgt. Auch der zweite Track, "The Future", steht diesem fulminanten Start in nichts nach, beginnt sehr kraftvoll mit dominanter Gitarre und Schlagzeug. Sobald Sänger Sho einsetzt, treten die Instrumentenparts kurz in den Hintergrund, steigern sich aber schnell zu einem krachenden Refrain, in dem sich Shos verzerrte Stimme wie ein weiteres Instrument einfügt. Ein treibender Song, der live sicherlich für einiges Headbangen sorgen wird. Das folgende "Quite Clearly" lässt sich als tanzbarer, hynotischer Discotitel mit signifikanter Bass-Line und mitreißenden Gitarren beschreiben. PLASTICZOOMS vereinen in diesem Song kunstvoll Elemente des Post Punk, Rock und Electro Dance zu ihrem ganz eigenen Stil. Damit dürften auch Rock-Fans, die nichts gegen ein paar starke Electro-Elemente einzuwenden haben, auf ihre Kosten kommen.

Nach diesen drei starken Songs, werden die Beats per Minute in "Minds" erst einmal drastisch heruntergefahren. Der Track hat einen balladesken Einschlag und begeistert mit ruhigen, melodischen Akkorden vom Synthesizer sowie Shos gefühlvollem Gesang. Im Refrain arbeitet die Band zusätzlich mit einer Gastsängerin, die der Synthie Ballade zusammen mit Sho noch einen emotionaleren Touch verleiht. Bisher der Track, der am meisten an den bisherigen Sound der Band anknüpft. Das folgende "Highway" ist ein eingängiger Track, der den Hörer direkt in die Blütezeit des New Wave in den 80er Jahren zurückversetzt. Mit Matsutake Hideki haben sich PLASTICZOOMS für diesen Song übrigens einen versierten Synthie-Veteranen als Unterstützung geholt. Definitiv ein Leckerbissen für Liebhaber des Genres. Auch das nächste Lied "U12" weiß mit seinen tanzbaren und dynamischen Rhythmen zu begeistern. Durch Shos Vocals entwickelt sich "U12" sogar zu einem Ohrwurm, bei dem man sich schnell dabei ertappen wird, den schönen Refrain mitzusingen. Die soften Synthesizer stützen dieses Ambiente zusätzlich. Wer schon einmal an einem sonnigen Tag oder einem lauen Sommerabend in Berlin mit der U12 gefahren ist, wird sich schnell in diese Zeit zurückversetzt fühlen – zumindest wäre dies eine mögliche Interpretation des Songtitels.

Im krassen Gegensatz dazu erwartet den Hörer danach mit "Night and Hurt" ein recht düsterer Song, der geheimnisvoll, fast bedrohlich wirkt und gerade am Anfang auf harte Gitarren setzt. Im Hintergrund werden einige der Synths verfremdet. Unter den dominanten, finsteren Beat mischen sich immer wieder kraftvolle Gitarrenriffs, mit dem Refrain öffnet sich der Song allerdings und entwickelt sich ebenfalls zum tanzbaren Kracher. "Smoke Motion" schlägt stark in die EBM-Richtung gepaart mit Synthie Pop und Shos düsteren, hypnotischen Vocals. Im Club mit Sicherheit ein Garant für eine volle Tanzfläche und soundtechnisch eine Hommage an den elektronischen Untergrund in Berlin. Fast wie ein düster-elektronischer Song von David Bowie. Daran schließt sich das dynamische "Veiled Eyes" an, das die Band als Quintessenz ihrer musikalischen Schaffensperiode in Berlin ansieht. Mit Sicherheit einer der treibendsten, elektronischsten Songs auf dem Album. Das Video zu der im Februar digital und im Mai 2016 physisch veröffentlichten Single "Veiled Eyes" könnt ihr euch am Ende dieses Reviews anschauen. Dieses entstand ebenfalls in Berlin.

Der zehnte und letzte Track des Albums hört auf den ungewöhnlichen Titel "Breitenbach". Nach dem Dancefloor-Kracher Veiled Eyes ist dieser Song überhaupt nicht das, was man erwarten würde – wohl aber ein würdiger Abschluss für dieses facettenreiche Album. Soundtechnisch schlägt "Breitenbach" erneut in die New Wave Richtung, setzt dabei aber auf mehr Emotion und Räumlichkeit. Als sanfte und eingängige Ballade mit dezenter musikalischer Untermalung vom Synthesizer und den anderen elektrischen Instrumenten. Einzig Shos Gesang und das E-Piano stechen deutlich hervor und in der Bridge bekommt Tom noch einmal ein Gitarrensolo spendiert. Im Gesamtbild ergibt sich dadurch ein sehr stimmiges Bild und der Hörer wird mit einem leichten, ruhigen Gefühl aus dem Album entlassen. Ganz so wie der letzte Track im Club, bevor man sich im ersten Morgenlicht auf den Heimweg macht.

Fazit:
Wie versprochen bietet PLASTICZOOMS' gleichnamiges Album mehr Dancetracks und eingängigere Melodien. Der Post Punk Aspekt der Band tritt etwas in den Hintergrund, gibt dem New Wave und Electro Dance mehr Raum. PLASTICZOOMS erfinden sich selbst neu, bleiben sich und ihrer Linie gleichzeitig aber treu. Zwar überwiegen die tanzbaren Elektronik-Titel auf "PLASTICZOOMS", aber mit "Night and Hurt" zeigen die Jungs auch, dass sie noch ihren düsteren Sound draufhaben. Das Album hätte gut und gerne noch zwei, drei weitere Songs vertragen können, aber die zehn Titel zeigen sich abwechslungsreich und laden zum immer wieder Hören ein. Alles in allem ein Album, das alles andere als langweilig ist und live ein Garant für viel Action im Publikum sein wird.

PLASTICZOOMS werden die neuen Songs neben ihren bisherigen Hits in Kürze live vorstellen: Ihre zweite Europa-Tour startet am 24. Februar mit einer großen Record Release Party in Berlin und führt die drei Musiker drei Monate lang durch viele europäische Länder. Weitere Deutschland-Dates sind der 25. Februar im Monarch in Berlin, der 8. März im Blue Shell in Köln (zusammen mit SCARGOT) sowie der 7. April in der Astra Stube in Hamburg. Tickets gibt es auf der Website von HIGHFeeL.


"Highway"


"Veiled Eyes"
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