I Promised Once - The Awakening

review - 24.03.2017 05:00

Folgt mit dem Drittwerk das Erwachen? I Promised Once kehren mit ihrer dritten EP auf das internationale Parkett zurück

Künstler: I Promised Once
Titel: The Awakening
Typ: EP
Stil: Metalcore
Veröffentlichung: 14. Dezember 2016
Bewertung: 6 / 10

Tracklist:
1. The World Against Us
2. White Night
3. Drown With Me
4. Winter Is Coming
5. The Walker Part 1 – Realization (Remixed – Remastered)
6. Broken Dreams (Remixed – Remastered)


Mit "The Awakening" feierte Ende 2016 die dritte EP der deutsch-japanischen Metalcore-Formation I Promised Once dank Gan-Shin Records ihr weltweites Release. Vier neue Songs, sowie zwei nicht mehr ganz so frische Tracks, welche extra für "The Awakening" neu gemixt und gemastert wurden, umfasst das Paket mit welchem IPO nach ihrer ersten Europa-Tournee wieder einmal international für Aufsehen sorgen wollen. Das schafft auf anderen Wegen schon das für japanische Bands doch etwas ungewöhnlich anmutende Line-Up – Neben den drei Japanern Kunio, Sho und Joe, befinden sich mit Nils, George und Flo auch drei deutsche Staatsbürger an Bord des Sechsers. Ein Hindernis? Keineswegs, die Jungs sehen ihre Zusammensetzung als große Chance und versuchen beide Kulturkreise in ihre Musik mit einfließen zu lassen. Ob das gelingt? JaME hat für euch einmal reingehört.

Eine „atemberaubende Mischung aus Heavy Metal und Electronic Dance Music“ verspricht die Werbebroschüre vollmundig, was schnell Erinnerungen an die Trancecore-Band der Stunde, Eskimo Callboy, weckt (ob gute oder schlechte sei mal dahingestellt). Schnell wird allerdings klar, dass es IPO nicht ganz so eng sehen mit ihrem Konzept und so liefern die Jungs mit dem Opener "The World Against Us" einen klassischen Metalcore-Track mit Rock-Einflüssen ab. Was die Formation kann, fällt sofort ins Auge: Mit tollen Shouts und Clean Vocals ausgestattet, geht der Song direkt ins Ohr. Leider leidet der Song auf unserem Rezensions-Exemplar offenbar unter einigen Mixing-Problemen, sodass das Lied immer wieder merklich lauter oder leiser wird. Geplant wirkt das nicht. Ändert aber nichts an den tollen Melodien, welche auch den nachfolgenden Liedern zu eigen sind. Vor allem der Refrain von "Drown With Me" weiß zu begeistern und mausert sich gegen Ende zu einem echten Stadionfeger. Gut gemacht ist der Song das Prunkstück der EP. Und warum wurde aus dem verboten kurzen "Winter Is Coming" und seinem tollen Akkustik-Intro eigentlich kein vollwertiger Song kreiert?

Trotz der guten Melodien merkt man "The Awakening" aber auch eine gewisse Unerfahrenheit und Jugendlichkeit an, die sich oft in den kleinen Details äußert. So wirkt so mancher Übergang etwas holprig, der ein oder andere Break Down zu gestreckt und manche elektronische Effekte schlicht deplatziert und billig. Als hätten IPO manchmal einfach zu viel gewollt und zwanghaft versucht, ihre Songs diverser zu gestalten. All das spiegelt sich auch in den anspruchslosen, auf Teenager-Niveau gehaltenen Lyrics wieder. Vielmehr manifestieren sich in diesen dieselben kitschigen Klischees, welche auch von der modernen Popmusik bedient werden. Viel Eigenständigkeit beweisen IPO auf ihrem Drittwerk also nicht, dafür bieten die Jungs aber stabilen und durchaus abwechslungsreichen Metalcore, dem aber einfach der Wiedererkennungswert fehlt.

In den Bonus Tracks zeigt sich mit "Broken Dreams" auch endlich der angepriesene EDM-Ansatz. Dieser kann sich überraschendereeise sehen lassen und fügt sich organisch in den Band-Klassiker ein. Schade, dass es der Band nicht gelungen ist, auch dieses Mal bei den EDM-Momenten auf diesem Niveau zu rangieren. Fraglich ist auch, ob zwei Jahre alte Songs wirklich schon einen Remix benötigen. Darüber sollte aber jeder Fan für sich selbst entscheiden, denn profitieren können die Songs vom gestiegenen Produktionsbudget seit der Unterschrift bei JACKMAN RECORDS allemal.

"The Awakening" ist folglich bei weitem nicht DIE Metalcore-Ansage des Jahres, kann sich aber im guten Durchschnitt positionieren. Potenzial haben IPO zweifellos, oft fehlt aber noch der letzte Schritt, das letzte Quäntchen Erfahrung und Qualität. Fans des Genre sollten aber ein Auge auf den Sechser haben, denn mit fortschreitendem Alter könnte hier eine echt gute Band im Haus stehen, die definitiv über das Talent für große Momente besitzt. Alles andere wird die Zeit zeigen, ich freue mich jedenfalls auf einen weiteren Output und wünsche IPO alles Gute für die Zukunft.
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