NeoBallad - 04 ~Kotobuki~

review - 21.09.2017 06:00

Das vierte Album des Folkduos bietet einen unterhaltsamen Querschnitt volkstümlicher Lieder.

Künstler: NeoBallad
Titel: 04 ~Kotobuki~
Typ: Album
Stil: Pop, Folklore
Veröffentlichung: 03.08.2016

Tracklist:
01. Tairyo utai komi ~Saitara bushi~ (大漁唄い込み ~斎太郎節~)
02. Sawauchi jinku (沢内甚句)
03. Sanjyo tako bayashi (三条凧ばやし)
04. Aizu Bandai san ~Kotobuki Ver.~ (会津磐梯山 ~寿 Ver.~)
05. Itako ayame odori (潮来あやめ踊り)
06. Kuroda bushi (黒田節)
07. Nagasaki nonnoko bushi (長崎のんのこ節)
08. Chichibu ondo (秩父音頭)
09. Ecchu owara bushi (越中おわら節)
10. Yamagata daikoku mai (山形大黒舞)


Das Folkduo NeoBallad hat sich auf das volkstümliche Liedgut aus ganz Japan spezialisiert, das sie mit modernem Pop verschmelzen. Auch für den vierten Langspieler des Duos wurden wieder Stücke aus den unterschiedlichsten Regionen ausgewählt und mit neuen Arrangements von Drummer und Komponist Kamiryo Wataru versehen. Im August 2016 erschien besagtes Album, das auf den Titel "04 ~Kotobuki~" hört, dessen zehn Tracks sich JaME nun einmal genauer zu Gemüte führte.

"04 ~Kotobuki~" wird mit dem ausgefallenen poppigen "Tairyo utai komi ~Saitara bushi~" (aus Miyagi) eröffnet. Das Lied vereint neben Sängerin Wakasa Sachis starkem Gesang, die Lyrics hat sie selbst verfasst, auch einen kraftvollen Bass nebst Schlagzeug und einem fetzigen bisweilen auch düster-klingendem Disco-Beat, der den Staub aus den Lautsprechern bläst. "Sawauchi jinku" bietet zwar ebenfalls diverse moderne Popelemente, ist im Vergleich zum ersten Track aber bei weitem nicht so dominant und schnell. Diesem Lied liegt eine ruhige, traumhafte Note zugrunde, was einen den Eindruck gewinnen lässt, dass das Lied in der Vergangenheit sehr gerne auf Festen im Sommer gespielt wurde. Selbst die Arrangements mit der elektrischen Gitarre, die etwa in der Mitte erklingen, fügen sich harmonisch ein und stützen den unbeschwerten Charakter des Liedes aus Iwate.

Daran schließt sich mit "Sanjyo tako bayashi" aus Niigata ein Lied an, für das Sachi sogar ein paar rap-ähnliche Vocals zu einem flotten Tsugaru Shamisen-Beat zum Besten gibt. Die Popeinflüsse, die Shamisen, die Flöte und der eigenwillige dumpf-klingende Rhythmus schaffen hier ein spannendes wie kurzweiliges Stück mit gelegentlichen geheimnisvollen Einschlägen. Die "Kotobuki Version" vom aus Fukushima stammenden "Aizu Bandai san" ist esoterisch angehaucht, bewahrt sich aber seinen festlichen Charakter. Im Hintergrund wird das Lied von einem ruhigen, hellen Synthesizerbeat begleitet, während musikalisch sonst eher die Trommeln, die Tsugaru Shamisen und Flöte dominieren. Darauf folgt "Itako ayame odori", ein geheimnisvolles Stück aus Ibaraki, das bis zur Hälfte überwiegend durch eine Shamisen, Sachis Gesang und eine ruhige Melodie getragen wird, ehe eine Gitarre und ein Schlagzeug einfallen, was den ruhigen mysteriösen Ton verändert und auch das Tempo etwas erhöht. "Kuroda bushi" (aus Fukuoka) startet ebenfalls sehr mystisch und wird erneut durch die Tsugaru Shamisen und Sachis einfühlsamen Gesang begleitet. Der Text von "Kuroda bushi" erinnert ein wenig an den Kinderreim "Kagome kagome". Neben den esoterischen Synthesizerakkorden vernimmt man hin und wieder noch eine Art Harfe und eine Flöte, was den Titel insgesamt sehr magisch erscheinen lässt.

Mit "Nagasaki nonnoko bushi" wird das Tempo wieder deutlich erhöht. Dennoch hat man das Gefühl auf einem traditionellen japanischen Festival zu verweilen, was nicht zuletzt an dem unbeschwerten wie geheimnisumwitterten Arrangement und Rhythmus liegt. Mit "Chichibu ondo" aus Saitama folgt ein fröhliches Volkslied, in dem die Trommeln einen etwas größeren Auftritt haben. Das sich anschließende aus Toyama stammende "Ecchu owara bushi" kommt sehr ruhig und balladesk verträumt daher. Das stille Stück wird einzig von Synthesizern, einer Shamisen, einem Piano und Hayashi (der Musikbegleitung beim Kabuki- oder No-Theater) sowie Sachis gefühlvollem Gesang begleitet. Das letzte Volkslied auf "04 ~Kotobuki~" ist "Yamagata daikoku mai", das sich nach einem ruhigen Start, schnell als mitreißendes tanzbares Stück entpuppt. Der schnelle Rhythmus von Schlagzeug und Tsugaru Shamisen wird mit Trompetenklängen und einer elektrischen Gitarre veredelt. Dadurch wird das Lied ungemein kurzweilig und die knapp vier Minuten sind im Nu vorüber.


Fazit: NeoBallads "04 ~Kotobuki~" ist auf den ersten Blick sicher nur für Fans von traditionellen Liedern und Enka interessant. Besonders im ersten Drittel des Albums ist der Einsatz der modernen Popelemente auf "04 ~Kotobuki~" präsent und unterstützt auf imposante Weise. Im zweiten und letzten Drittel überwiegt hingegen der traditionelle musikalische Charakter der Volkslieder. Fans der modernen Popmusik sollten NeoBallad dennoch eine Chance geben und würden mit dem vorliegenden Album einen guten Einstieg bekommen. Anspieltipps sind "Kuroda bushi", "Tairyo utai komi ~Saitara bushi~", "Sanjyo tako bayashi" und "Yamagata daikoku mai".


Musikvideo zur Originalversion von "Aizu Bandai san":
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