I Promised Once - Salvation

review - 11.02.2018 12:17

Die Metalcore Band I Promised Once bringt am 23. Februar ihr Debüt-Album heraus. JaME bekam die Chance, vorab in den ersten Longplayer der japanisch-deutschen Band reinzuhören.

Die japanisch-deutsche Metalcore-Kombo I Promised Once hat sich vor allem seit ihrer ersten Europatournee im Jahr 2016 hierzulande einen Namen gemacht. Ihre kraftvolle Kombination aus harten Metal-Riffs, Core-typischen Screams sowie treibenden Drums und Basslinien garnieren sie mit klaren Gesangsparts, starken elektronischen Elementen und einer gehörigen Portion Konzertfeeling. Denn I Promised Once sind eine absolute Live-Band, deren Shows man nicht verpassen sollte. Bisher veröffentlichten George (Gesang/Shouts), Flo (Gesang/Keyboards), Kunio (Gitarre), Nils (Gitarre) und Joe (Bass) mit ihren beiden Support-Drummern Hiro und Sho (ex-UnsraW) drei Mini-Alben und eine Single. Nun wird es Zeit für ihren ersten Longplayer, dessen Songs live sicher erneut für viele Headbanger sorgen werden. Ob die drei Japaner und die drei Deutschen mit ihrem Debüt-Album "Salvation" auch auf den heimischen Boxen überzeugen können, konnten wir vorab für euch herausfinden.

"Salvation" erscheint am 23. Februar und ist das erste Full Length Album von I Promised Once und auch ihre erste Veröffentlichung auf dem Label Tragic Heroes Records/Needful Things Records. Sowohl die digitale als auch die CD-Variante könnt ihr über den offiziellen Merch Bucket von I Promised Once bestellen. Auf Spotify ist "Salvation" ebenfalls verfügbar. Als Einstimmung auf das neue Album veröffentlichte die Band bereits im November letzten Jahres ein Lyrics-Video zu ihrem Song "Forever Lost". Auch der Song Succubus (feat. SHREZZERS), der schon im Juli 2017 ein Lyrics-Video spendiert bekam, findet sich als Opener auf dem neuen Longplayer wieder.

So startet das Album dank "Succubus" mit einem choralen Gesang, macht aber nach wenigen Sekunden klar, in welchen musikalischen Gefilden die Band zu Hause ist. Die harten Gitarrenriffs, schnellen Drums und aggressiven Shouts katapultieren den Hörer direkt in den Metalcore-Olymp. Im Zwischenteil gewinnt das Stück an Härte und George und Flo liefern sich ein kurzes Battle, bevor das Stück wieder melodischer wird und in den starken Refrain übergeht. Das chorale, ruhige Intro erlebt etwa in der Mitte des Songs ein Revival, besonders das sich anschließende Gitarrenduett von Kunio und Nils kann überzeugen und ebnet den Weg für eine weitere Metalcore-Attacke, in die die Band ihre ganze Power legt. Alles in allem ein abwechslungsreicher Track, der besonders in der zweiten Hälfte überzeugt und gut als Opener funktioniert. Auf alle Fälle macht er Lust auf mehr.

Sirenen leiten "Picture Perfect" ein, dann schlagen Drums, Bass und Gitarren unvermittelt mit ganzer Härte zu. In diesem Track zeigen I Promised Once, was ihre Stärken sind: Aggressive, harte Strophen, melodische Refrains und einige Tempo- und Stimmungswechsel innerhalb eines Songs. Durch die zwei unterschiedlichen Sänger scheint es, als würden zwei Seelen in der Brust des Protagonisten streiten – Aggressivität und Wut wechseln sich mit Resignation oder Hoffnungsschimmern ab und bilden perfekt die Stärken der beiden Sänger ab, die von den Instrumentalisten einen passenden Rahmen spendiert bekommen.

"Forever Lost" hält sich nicht mit einem Intro auf, sondern steigt direkt mit treibenden Drums und harten Riffs ein, über denen George mit kraftvollen Screams Akzente setzt. Sobald Flo mit einsteigt, wird die Komposition wieder melodischer, der Refrain erinnert sogar kurz an Blink-182s "First Date", doch das ist rein zufällig, da keines der IPO-Mitglieder Fan von Blink-182 ist. Im Mittelteil gibt es ein düsteres Zwischenstück, in dem George shoutet und growlt, während Gitarre, Bass und Drums einen bedrückenden Rahmen schaffen, bevor die Band ausbricht und sich wieder der melodische Refrain anschließt, der auf den kommenden Konzerten garantiert zum Mitsingen einladen wird. Alles in allem ein starker, abwechslungsreicher Track auf "Salvation" und eine nachvollziehbare Wahl für einen ersten Eindruck der neuen Scheibe.

In den folgenden Songs "Homecoming" und "Departed" bekommen die Gitarristen Kunio und Nils sowie Bassist Joe mehr Raum, um zu zeigen, was sie können. Das melodische, balladeske "Homecoming" bietet auch Flo die Möglichkeit, sein Gesangstalent unter Beweis zu stellen, während "Departed" an Härte zulegt und Georg mit seinen Shouts wieder den Hauptteil des Gesangs übernimmt. Obwohl auch dieser Track unterhaltsam ist – besonders das Gitarrensolo ist gut gelungen –, hätte etwas mehr Feinarbeit in der Melodie und der Ausarbeitung ihm gut getan. Leider schwächelt der Refrain von "Departed" textlich und technisch ein wenig, obwohl sich die Band alle Mühe gibt. Dem Gitarrensolo muss man allerdings zugute halten, dass es kurzzeitig einiges wieder herausreißt.

Bei "The Invasion" bedienen sich I Promised Once im Intro trügerisch ruhiger Piano-Klänge, doch wie erwartet trifft den Hörer kurz darauf die ganze Härte der Instrumentalisten und George scheint seine ganze Seele in seine Screams zu legen. Hier und da blitzen allerdings verspielte Synth-Elemente und beinahe an New Wave erinnernde Gitarrenriffs durch, besonders das Piano, das am Ende des Songs einen Soloauftritt bekommt, ist ein neues Element in IPOs Kompositionen und beschert dem Track einen ungewöhnlichen Ausgang.

Elektronischer geht es weiter im Intro von "Fall of Adam 1863". Die zweite Ballade auf "Salvation" verzichtet beinahe komplett auf Shouts und Screams und setzt auf klaren Gesang, der nur stellenweise mit Shouts aus dem Hintergrund unterstützt wird. Ein solides Stück, das sicherlich Ohrwurm-Potential hat und dank der verspielten Gitarrenlinie nicht langweilig wird.

"Chaos is a Ladder" beginnt unvermittelt mit aller Härte und sehr wild. Vom Arrangement her ist dies der Track mit den krassesten Tempowechseln (von superschnell zu langsam und getragen) und gleichzeitig der düsterste Song, bei dem offenbar die Regler noch mal ein gutes Stück runtergeschraubt wurden. George shoutet, growlt dunkel und macht seiner Wut mit kraftvollen Screams Luft. Dem vorangegangenen "Fall of Adam 1863" hätte wohl kaum ein stärkerer Kontrast entgegen gesetzt werden können. Leider macht der Song seinem Namen auch alle Ehre, denn hier und da gibt es Stellen, die musikalisch noch ein wenig aufgeräumt werden könnten. Alles in allem aber ein starker Track.

Im folgenden "Break (feat. Blumio)" darf Blumio, ein deutscher Rapper mit japanischen Wurzeln, die Hörer mit "Konnichi wa, ogenki ja?" begrüßen. EDM, Hard Rock und Rap – all das macht den Beginn von "Break" aus. Der Song macht sofort Spaß und reißt mit und man ertappt sich schnell beim Mitwippen. Die erste Hälfte übernehmen wie gewohnt George und Flo, aber nach ein paar harten Gitarrenriffs im Zwischenteil und einer weiteren Strophe-Refrain Kombo mit kraftvollen Shouts darf auch Blumio ran und kann seine Qualitäten unter Beweis stellen. Er rappt auf Deutsch, was für diese Band nicht ungewöhnlich ist – immerhin ist die Hälfte der Besetzung aus Deutschland und Blumio ist eben Deutsch-Rapper –, doch für eine internationale Metal-Core-Band ist die Kombination der englischen und deutschen Sprache innerhalb eines Songs eher ungewöhnlich. Die kurzen japanischen Raps im Hintergrund zu Georges Shouts unterstreichen noch stärker die Wurzeln von I Promised Once und machen Blumio zur perfekten Wahl für ein Feature. Bis jetzt der stärkste Track des Albums und live ein Garant für ausgelassene Partystimmung.

Der letzte Track des Albums – "Lucifer" – schlägt wieder mit voller Kraft in die Metal-Core-Kerbe und holt noch einmal alles raus, was diese Band ausmacht. Gerade der harte Teil vor dem Refrain wird live sicherlich für kollektives Headbanging sorgen, die leichtfüßige Gitarrenlinie über dem sonst schweren Rhythmus sorgt für Abwechslung und nimmt dem Song sein Düster-Image. Alles in allem ein starker Song, der die Stärken von I Promised Once vereint, auch wenn die melodischen Parts von Flo nur wenig Raum bekommen.

Sozusagen den Epilog bildet das anderthalbminütige "Salvation", das rein instrumental das gleichnamige Album beschließt. Die elektronischen Synth-Klänge fühlen sich an, als wäre das komplette Album eine Läuterung, ein Abwerfen von Ballast und ein Abrechnen mit allen, die einen bisher verletzt haben, bevor man am Ende die Erlösung ("Salvation") erlangt. Für eine Metal-Core-Band ein ungewöhnlicher Abschluss, doch sehr passend zum Album-Konzept und den elektronischen Spielereien, die sich darauf wiederfinden.

Für Fans von I Promised Once ist "Salvation" ein Pflichtkauf, für alle, die die Band kennenlernen wollen, ist das Album ein guter Einstieg. Metalcore-, Hardrock- und Alternative-Fans werden auf ihre Kosten kommen, auch wenn sich sicherlich noch das eine oder andere Detail finden lässt, das die Band in kommenden Veröffentlichungen besser machen kann. Alles in allem ist I Promise Once eine Band, die nicht stehen bleibt, sondern sich mit jedem Release weiterentwickelt und neue Wege ausprobiert. Wer die Möglichkeit hat, sollte eines der Konzerte – momentan vorrangig in Japan, aber wer weiß, vielleicht gibt es demnächst mal wieder eine EU-Tour? – von I Promised Once besuchen. Denn wenn die Jungs eines können, dann Stimmung auf der Bühne machen und zusammen mit ihren Fans abgehen. Einige der neuen Songs bergen jedenfalls das Potential zum neuen Live-Kracher.

Hier könnt ihr euch selbst einen ersten Eindruck von "Salvation" verschaffen:

"Break (feat. Blumio)" Musikvideo:


"Forever Lost" Lyrics Video


"Succubus feat. SHREZZERS" Lyrics Video
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