Interview mit m:a.ture

interview - 07.11.2010 11:32

Die nordjapanische Band stellte sich einem lockeren Mail-Interview mit JaME

Das im Norden Japans gelegene Hokkaido ist den meisten wohl nur als Namensgeber für eine Kürbissorte bekannt. Dass die Insel aber auch musikalisch glänzen kann, zeigten m:a.ture mit ihrer aktuellen Single “Soleil“. Daher adressierten wir ein paar Fragen an die Band und bekamen interessante Einsichten über die Musikszene ihrer Heimatinsel und die zukünftigen Pläne.


Könntet ihr euch zunächst den Lesern vorstellen? Wer sind m:a.ture? Und warum habt ihr gerade diesen Namen und diese Schreibweise gewählt?

Shin: Hi, ich bin Shin von m:a.ture und ich bin Gitarrist und Sänger der Band.
Minato: Hallo, mein Name ist Minato. Ich spiele Schlagzeug.
Dai: Viele Grüße, ich bin Dai. Ich bin für Keyboard, Synthesizer, Loops, Programmierung und ähnliches zuständig.
Ryo: Hallo, ich bin Ryo, Supportbassist.
Dai: Was den Namen der Band angeht, so war es Shin, der Bandleader, der diesen gewählt hat. Er spricht kein Englisch und versteht auch nicht die Sonderzeichen und so. Deshalb hab ich die Befürchtung, dass die Leute denken könnten, wir würden Pornos mit reifen Frauen (Anm.: im Englischen “mature porn“) mögen. (lacht) Tun wir nicht. Hardcore Sekretärinnenpornos sind okay. Um ehrlich zu sein, ich weiß nicht wirklich um die Bedeutung unseres Namens.
Aber ich denke, es ist besser als einen Namen wie Warmaster of Hell, Slaying the Dragons zu haben. Oder anderen ähnlichen Schwachsinn. Es lässt dich wie einen Chorknaben aussehen. Wenn ich mich jemals dabei erwische, dass ich in einer derartigen Band spiele, dann sitz ich tief in der Scheiße. Ich müsste mich selbst verprügeln, bis ich nicht mehr aufstehen oder mich hinsetzen kann, wie Al Pacino in Scarface.
Shin: Es gibt verschiedene Gründe für unseren Bandnamen. Es ist eine lange Geschichte und etwas sehr Persönliches, darum nehmt m:a.ture einfach als Bandnamen hin. Der Grund, warum wir “mature“ als m:a.ture schreiben ist der, dass die Leute uns auf die Weise einfacher im Internet finden. Wenn man m:a.ture bei Yahoo, MSN, Google oder was weiß ich wo eintippt und auf “Suchen“ klickt, dann findet man uns sehr schnell. Man muss nicht ewig scrollen, um uns zu finden.

Ihr kommt aus Hokkaido. Ist es für eine Band aus dem Norden Japans schwierig, berühmt zu werden?

Minato: Ich denke, es ist schwer in Hokkaido berühmt zu werden.
Shin: Um ehrlich zu sein, es ist nicht einfach hier in Hokkaido bekannt zu werden, wenn man die wirtschaftliche Kraft der Medienunternehmen vor Ort bedenkt. Aber die heutige Musikindustrie beginnt sich zu wandeln. Auf dem Weg, den wir beschreiten, könnte es möglich sein. Was wir nun brauchen, ist die neue Methode zu finden und zu nutzen.
Dai: Es gab einige Bands, die einen gewissen Erfolg hatten, so wie MELLO. Aber die Musikszene hier ist ziemlich mies. Deshalb werden wir vielleicht von hier wegziehen.

Erzählt uns ein wenig über euren musikalischen Hintergrund. Hattet ihr eine musikalische Erziehung, oder habt ihr Eure Instrumente selbst erlernt?

Shin: Ich mochte früher klassische Musik, weshalb ich damals mit dem Pianospielen begann. Einige Jahre später bekam ich die Rock’n'Roll Taufe. Ich habe drei Jahre musikalische Komposition studiert und sechs Jahre Gitarrenstunden genommen.
Dai: Ich habe vor Ewigkeiten Musiktheorie gelernt. Leider hab ich das Meiste davon wieder vergessen.
Minato: Ich besuchte eine Musikschule, um Schlagzeug zu lernen.
Ryo: Ich wollte cool sein, deshalb ging ich auf die Musikschule und bin geflogen. (lacht) Tatsächlich waren Minato und ich auf der selben Schule. Minato schloss sie ab, ich nicht. (lacht) Ich hab dann selbst gelernt.

Welche Bands haben euch inspiriert a) um mit der Musik anzufangen und b) als ihr schon angefangen hattet? Ferner, wenn überhaupt, welche eurer ehemaligen Bands hat euch am meisten beeinflusst?

Shin: X haben mich bis ins Mark inspiriert. Ich lerne von jeder Sessionband und jedem Projekt, an dem ich mich beteilige. Es ist eine große Erfahrung, mit jemandem Musik zu machen, mit dem ich bis dahin nicht zusammengespielt habe.
Minato: Gleiches gilt für mich. Ich habe mit dem Schlagzeug angefangen, nachdem ich Yoshiki gesehen hatte. Sein Spiel war sehr beeindruckend. Er hatte mir eine neue Welt eröffnet.
Dai: Ich hatte keine besondere Band, die mich dazu inspiriert hatte, mit der Musik anzufangen. Aber es gibt den Film Immortal Beloved (Anm.: in Deutschland Ludwig van B. - Meine unsterbliche Geliebte), der auf einem geheimnisvollen Brief von Beethoven basiert. Dieser hat mich sehr inspiriert. Also wäre Ludwig van Beethoven meine Antwort.
Als ich bei bösen Mächten in den Vereinigten Staaten war, habe ich in der Metalband The Kunst Conspiracy gespielt. Ein paar Jahre Californification (Anm.: Der negative Einfluss, der von der Ausbreitung der westlichen Kultur und Medien herrührt). Das war ziemlich hart. (lacht) Proben mit der Band, Konzerte und Parties, Material schreiben, zu Denny’s (Anm.: Restaurantkette in den USA) gehen, wo man von übelgelaunten Kellnerinnen bedient wird und alte Damen in Einkaufswägen die Abhänge herunterstoßen, - ist ein Witz, denn wir damals pflegten - und natürlich zu Wal-Mart gehen, um Leute dabei zu beobachten, wie sie Geld für wertlosen Mist Made in China ausgeben. Und ähnlicher Scheiß. Ich war jung und dumm. Schöne, alte Zeit.
Ryo: LUNA SEA (japanische Visual Kei Band) sind meine Helden. Sie haben mich dazu gebracht, mit der Musik anzufangen. Derzeit bin ich in der Band EsoLLa. Da sammle ich viel Erfahrung.
Minato: Meine ehemalige Band MELLO. Ich habe von denen viel über das Musikerdasein gelernt. Ich habe bei MELLO viel Praktisches erlernt.

Ihr werdet als Visual Kei Band verstanden, womöglich wegen Minatos Vergangenheit mit Bands wie Diod’honneur und MELLO, sowie euren Konzerten mit lynch. und Sadie. Aber ihr seht nicht aus wie eine typische VK Gruppe, eher wie Punk (auf älteren Photos). Als was seht ihr euch selbst?

Shin: Gute Frage. Das Genre ist nicht so wichtig und es ist schwierig, unsere Band einzuordnen.
Minato: Ich würde sagen J-Rock/Pop.
Dai: Ich persönlich höre weder VK noch Punk. Die meisten meiner Freunde sind in VK Bands wie Yumeji und Sato von Lc5 und Shinno von NoGoD. Ich vermute, dass wir deshalb als Visual Kei Gruppe angesehen werden.

Euer Label heißt “Morgue Music Gallery“. Warum denn ein solch schauriger Name, wo eure Musik doch gar nicht so unheimlich klingt?

Dai: Wegen meines dunklen Propheten des Verderbens. Es ist verhängnisvoller als die verdorbenste Verdammung. Ich habe eine besondere Macht des Verderbens, wie Tote zum Leben zu erwecken... und so etwas. Es ist sehr düster, tiefgründig und unheimlich... Hmm, ich wirke gerade wie ein vollkommen einsamer Loser. Nun, ich weiß nicht. Shin wird das beantworten müssen.
Shin: Für mich bedeutet es, beim niedersten Leben zu beginnen und dann zum höchsten empor zu klettern. Und um nicht zu vergessen, wovon ich geträumt hatte, als ich mit der Musik begann. Es hat nichts mit unserem musikalischen Stil zu tun.

Ihr habt keinen offiziellen Bassisten. Habt Ihr jemals darüber nachgedacht, Ryo zum offiziellen Mitglied zu machen?

Shin: Ich habe ihn einige Male gefragt, ob er unser fester Bassist werden möchte. Aber es scheint, er findet Gefallen an der Position des Support-Bassisten.
Dai: Nun, Ryo, Shin und ich gingen einst gemeinsam zur High School (Anm.: Bezeichnung der weiterführenden Schulen in Japan). Er ist unser Support-Bassist für nunmehr vier Jahre. Ich wollte immer, dass er der Band beitritt. Was sagst du dazu?
Ryo: Als ich bei m:a.ture anfing, war ich Support-Bassist bei zwei weiteren Bands. Ich hatte viel zu tun, und wusste nicht, worauf ich mich konzentrieren sollte. Nun habe ich eine offizielle Band (EsoLLa) und habe meinen Fokus auf dieser. Aber da ich Shin, Dai und Minato nun sehr lange kenne und wir gute Freunde sind, werde ich für sie so lange wie möglich Bass spielen. Ich werde nicht aussteigen, solange sie mich nicht dazu zwingen. (lacht)

Shin hatte in der Vergangenheit ein Nebenprojekt namens GRID. Habt ihr andere Projekte, an denen ihr euch beteiligt?

Dai: Derzeit nicht, aber irgendwann in der Zukunft möchte ich eine Nu-Metal Rap Band starten. Ein Japaner, der versucht wie ein Schwarzer zu rappen und mies reimt, yo. Heilige Scheiße. Was für eine beschissene Idee das ist. Es ist wie stinkender Müll, so voll mit Mist, wie nur irgendjemand oder -etwas sein kann. Trotzdem, ich könnte ein Projekt starten, dass Menschen dazu bewegt, in der Hölle eine Party zu feiern.
Ryo: Wie bereits gesagt, spiele ich nebenher bei EsoLLa. m:a.ture und EsoLLa sind die einzigen Bands, in denen ich mich aktuell betätige.
Minato: Wenn sich die Möglichkeit ergibt, würde ich mich gerne an einem Nebenprojekt beteiligen. Aber ich habe keines, in dem ich derzeit aktiv wäre.

Eure erste Maxi-Single “Soleil“ war großartig. Plant ihr weitere Veröffentlichungen in der nahen Zukunft?

Shin: Vielen Dank! Wir werden etwas dieses Jahr veröffentlichen. Wir schreiben an neuem Material, aber wir wissen noch nicht so genau, wann wir das veröffentlichen. Es könnte im nächsten Jahr sein. Aber so viel vorab, die neuen Sachen werden anders sein, als das, was wir bisher gemacht haben!

Wenn ihr die Möglichkeit bekommen würdet, in Übersee zu spielen, habt ihr bestimmte Länder oder Städte, in denen ihr gerne spielen würdet?

Minato: Ich interessiere mich für die Vereinigten Staaten und Europa.
Ryo: Überall auf der Welt! Ich möchte dorthin, wo das Essen gut und lecker ist. Ich mag Essen.
Dai: Ich war niemals in Europa, deshalb würde ich gern dahin. Und natürlich wollte ich schon immer in die “US of A“ zurückkehren.
Shin: Ich war noch nie in Übersee. Ich würde überall gern hingehen!

Was sind eure Pläne für die Zukunft? Was würdet ihr gerne erreichen?

Shin: Das ist ein Geheimnis...
Minato: Ich habe viele Pläne in meinem Kopf. Aber was ich aktuell gerne erreichen würde, wäre, dass jedes Mal 1000 Besucher zu unseren Shows kommen.

Habt ihr etwas, was ihr euren Fans in Übersee sagen wollt? Grüße oder Ähnliches?

Ryo: Hey Leute, ich hab ein Statement für euch: “We kick ass!“ Lasst uns m:a.ture weltweit bekannt machen.
Dai: Unsere neue Single ist nun auf iTunes erhältlich. Und natürlich auch auf MySpace. Ich hoffe, es gefällt euch!
Minato: Ich hoffe, ihr mögt unsere Musik! Ich wollte schon immer Konzerte in Übersee spielen, deshalb - verpasst nicht die Chance, uns zu sehen, wenn sich die Gelegenheit anbietet.
Dai: Oh, vor Kurzem habe ich einen Twitter Account erstellt. Hier gibt es einen Link auf meine Seite. Bitte verfolgt mein Schaffen, wenn ihr mich dort findet.



JaME möchte der Band herzlichst danken, dass sie das Interview ermöglicht haben und wünscht der Band viel Erfolg!
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