D - Torikago Goten ~L'Oiseau bleu~

review - 08.08.2011 19:07

Wieder Indie - was nun?

Künstler: D
Titel: Torikago Goten ~L'Oiseau bleu~
Typ: Maxi-Single
Stil: Metal, Symphonic Metal, Rock
Veröffentlichung: 28.7.2011

Track list:
1. Torikago Goten ~L'Oiseau bleu~
2. Hane o hitohira
3. Denshou sareshi sora no monogatari
4. Torikago goten ~L’Oiseau bleu~ (Voiceless)

Als Thema für ihr erstes Release nach der Rückkehr zu ihrem Indie-Label GOD CHILD RECORDS, haben D sich den blauen Vogel des Glücks vorgenommen. Wie so oft bei D, hat die Story historische Wurzeln, in diesem Fall in der europäischen Märchenwelt.

Der blaue Vogel taucht in verschiedenen literarischen Werken seit dem 17. Jahrhundert als Symbol für Glück und Hoffnung auf. Den Lyrics und dem PV nach zu urteilen, beziehen sich D jedoch auf das Bühnenstück des belgischen Symbolisten Maurice Maeterlinck. In diesem begibt sich das Geschwisterpaar Mytyl und Tytyl auf die Suche nach einem geheimnisvollen blauen Vogel, die sie in den Wald, ins Land der Erinnerungen, den Palast der Nacht, den Garten des Glücks und das Reich der Zukunft führt. Schließlich erkennen sie ihn in einem Käfigvogel bei sich zuhause und verstehen, dass das Glück die ganze Zeit bei ihnen gegenwärtig war.

"Torikago Goten ~L'Oiseau bleu~" verbindet die Symbolik des blauen Vogels mit dem Wiederaufbau Japans nach dem Erdbeben im März dieses Jahres. Sänger ASAGI wurde dazu von dem Dankschreiben eines Geschäfts in der schwer beschädigten Stadt Sendai inspiriert, bei dem er etwas bestellt hatte, und welches ihn sehr berührte. Wie ist der Band die Umsetzung gelungen? Und wie vergleicht sich die größtenteils in Eigenproduktion entstandene Single mit den Werken aus ihrer Majorzeit, bei denen man sich an aufwendig produzierte Musik und PVs gewöhnt hatte?

Der Titelsong ist eine Powerballade, die mit sanften Pianoklängen beginnt, sich aber rasch zu einem dramatischen Symphonic Metal-Epos steigert. HIROKIs Schlagzeug legt dabei ein mörderisches Tempo vor, doch die Melodie bleibt, passend zum Text, den ganzen Song hindurch romantisch, mystisch und ein wenig melancholisch. Man fragt sich unwillkürlich, warum D sich nicht öfter an diesem Genre versuchen, denn ASAGIs kraftvolle Opernstimme passt perfekt zu dem bombastischen Sound. Besonders beeindruckend sind wie immer die sehr hohen Noten, die er dabei erreicht. Die instrumentale Untermalung bietet einige Überraschungen. Nachdem HIROKI auf dem jüngsten Album mit einem Schlagzeugsolo glänzen durfte, wird das obligatorische Gitarrensolo hier ausnahmsweise nicht von Ruiza, sondern von HIDE-ZOU gespielt, der seine Aufgabe mit cooler Kompetenz erledigt. Außerdem steuert Ruiza neben seiner E-Gitarre auch einige Akkorde mit einer 12-saitigen akustischen Gitarre bei, deren warmer, organischer Klang dem Song zusätzlich emotionale Tiefe verleiht. Insgesamt hat "Torikago goten ~L’Oiseau bleu~" das Zeug dazu, ein echter D-Klassiker zu werden.

Auch "Hane o hitohira" wartet mit klassischen Klängen auf. Der Song wird von einer beschwingten Violinenmelodie eingeleitet, bevor brutale Metalriffs und Tsunehitos fetter Bass dem Hörer erst einmal kräftig einheizen. Nachdem sich dieser kurze Sturm gelegt hat, meldet sich ASAGI mit klarer, melodischer Stimme, die lediglich von Bass und vereinzelten Gitarrenakkorden untermalt wird, zu Wort. In dem lebhaften, etwas poppigen Refrain setzen die Gitarren dann jedoch wieder voll ein und im zweiten Durchlauf gesellen sich zusätzlich Streicher und Ruizas 12-saitige Gitarre dazu. Wenn dann nach einem ausgiebigen Gitarrensolo sowie einem letzten, zum Headbangen einladenden Ansturm von Metalriffs plötzlich Stille einsetzt, möchte man sich am liebsten wohlig erschöpft zurücklehnen.

Dazu hat man jedoch keine Gelegenheit, da die Jungs mit "Denshou sareshi sora no monogatari" noch einmal richtig hinlangen. Der Song ist eine beinahe ununterbrochene, von Metalriffs und wummerndem Bass dominierte Headbangingorgie, die im Aufbau etwas an "7th Rose" erinnert. Auch hier wechseln sich klarer, sakral angehauchter Gesang und wüste Death Growls miteinander ab. Dazwischen sind jedoch auch eine Prise Rock und zwei kurze, erstaunlich poppige Passagen eingestreut, in deren Background Vocals ASAGI dafür umso wilder kreischt. Natürlich darf auch hier ein Gitarrensolo nicht fehlen und der Song endet mit beschwörerend skandierendem Gesang und einem letzten Schrei. Dieser Track ist ein Paradebeispiel für Ds oft sehr abenteuerlichen Stilmix, der sich dann letztendlich doch zu einem harmonischen, meist düster-romantischen Ganzen zusammenfügt.

"Torikago goten ~L’Oiseau bleu~ (Voiceless) " schließlich ist die Instrumentalversion des Titelsongs; eigentlich für Karaoke gedacht, lässt sie sich aber auch gut als Handy-Klingelton entfremden.

Fazit: "Torikago goten ~L’Oiseau bleu~" ist ein rundherum gelungenes Werk, das nahtlos an die Releases aus Ds Majorzeit anknüpft. Einerseits ist die CD sehr hochwertig produziert, andererseits setzt die Band ihre Entdeckungsreise ins Land der unbegrenzten stilistischen Möglichkeiten weiter fort. Das ist umso erstaunlicher, als dass die Songs praktisch zwischen Tür und Angel entstanden, während die Band im In- und Ausland tourte. Vervollständigt wird das Klangerlebnis, wie von D nicht anders erwartet, durch liebevoll bis ins Detail durchdachtes Artwork. Wer das phantasievolle, sehr aufwendig in Szene gesetzte PV zum Titelsong haben möchte, muss zwar zusätzlich die [Type A]-Version der Single kaufen, doch tut man damit ein gutes Werk, denn ein Teil des Erlöses aus dem Verkauf fließt an das japanische Rote Kreuz. Etwas schade ist lediglich, dass die beiden CDs nur bis zum 31. August 2011 erhältlich sind und man daher sehr schnell zuschlagen muss. Einer so schönen musikalischen Botschaft hätte man gewünscht, dass sie so viele Menschen wie möglich erreicht.
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