Eine Legende kehrt zurück!

konzertbericht - 18.10.2013 06:00

Trotz sechs langer Jahre Abwesenheit schafften es the GazettE das Dortmunder FZW bis auf den letzten Millimeter auszufüllen und die Halle zum Kochen zu bringen.

2007 waren sie das erste und letzte Mal hier mit einer One-Man Show. Sechs Jahre mussten die Fans erst warten, um endlich einmal wieder mit ihren Idolen abrocken zu können. Als die Nachricht aber endlich kam, schlug sie ein wie eine Bombe: the GazettE auf Welttournee!

Selbst für die Fans, die sich über die Jahre von der Band distanziert hatten, war diese Nachricht ein Grund zum Jubeln. Für jene, die Jahr ein, Jahr aus, gehofft hatten, ging endlich ein Traum in Erfüllung. Doch nachdem die Nachricht erst einmal raus war, begann das große Zittern, Diskussionsforen liefen heiß: lediglich zwei Konzerte in Deutschland. Würde es genug Karten für diese heiß begehrten Shows geben? Wer würde sich eine ergattern können? Schon Stunden, bevor der Ticketverkauf gestartet wurde, waren die Websites der Ticketverkäufer überlastet und die Fans restlos verzweifelt. Und kaum drei Stunden später waren die Konzerte restlos ausverkauft. Auch JaME konnte sich Tickets ergattern und war dabei.

Der 25. September sollte zum Tag des Wartens umbenannt werden. Gerüchten zufolge sollen die ersten Fans ja bereits Tage vorher angereist sein. Fakt jedoch ist, dass spätestens früh am Morgen des Konzerttags die Ersten Stellung vor dem FZW bezogen haben, um die nächsten Stunden ungeduldig mit Gleichgesinnten aus der ganzen Welt auszuharren. Als ich an der Halle ankam, war ich überrascht, wie entspannt alle herumliefen oder zusammensaßen. Gemäß der Diskussionen, die im Vorfeld unter den Fans schon entbrannt waren, hatte ich damit gerechnet, dass die Fans erbittert um die Plätze in den wirklich langen Warteschlagen kämpfen würden, aber nein, alle hatten nur eines im Kopf: zusammen dieses Konzert zu feiern. Dementsprechend relaxed waren auch die Einlässe. Ein wenig Schieben und Schubsen ist unvermeidlich, dennoch wurde viel Rücksicht aufeinander genommen, auch beim Merchandisekauf oder in der Halle selbst. Allerdings war es genau dort schon brühend heiß und stickig und in Anbetracht dessen, dass es bis zum Beginn des Konzerts noch 1 1/2 Stunden dauern würde, fast schon eine Zumutung. Bereits jetzt waren viele Fans am Schwitzen, halb dehydriert und völlig erschöpft. Doch als es pünktlich um 20 Uhr dunkel wurde und das Intro begann, schien alles wie vergessen. Unter begeisterten Freudenschreien und euphorischem Applaus betraten die fünf Musiker Ruki, Kai, Uruha, Aoi und Reita die Bühne und eröffneten das Konzert gleich mit dem recht metallastigen Song "VORTEX". Rukis Begrüßung- und Anfeuerungsrufe waren zu diesem Zeitpunkt schon gar nicht mehr nötig, denn sobald die Musiker ihre Instrumente in die Hand genommen und den ersten Ton von sich gegeben hatten, gab es kein Halten mehr.

Der energiegeladene, wilde Einstieg machte gleich deutlich, wohin dieser Abend tendieren sollte und die Fans ließen es sich auch nicht nehmen, gleich von Anfang an wie wild zu headbangen und abzurocken. Die folgenden Songs "Leech", "Before I Decay" und "GABRIEL ON THE GALLOWS" gaben auch reichlich Gelegenheit dazu. Beizeiten bildete sich in der Mitte der Halle ein kleiner Moshpit, den man bei dem ersten Blick auf die Band gar nicht erwartet hätte. Vor allem mit einem Blick auf Rukis schrägen, bunten Anzug oder Reitas mit Pailletten besticktem Hemd. Aber auch im Vergleich zu ihrem früheren Klang oder Musikstil, der zwar schon immer rockig, aber da noch experimenteller und öfters von Pop oder Hip-Hop Klängen durchzogen gewesen war. Doch bei diesem Konzert stand alles auf wild und hemmungslos. Band wie Fans warfen ihre Körper und Köpfe im Takt zum treibenden Sound nach vorn und vergaßen sich völlig in der Musik. Mittlerweile war es unerträglich warm geworden, immer wieder konnte man beobachten, wie Fans aus der Menge raus gezogen werden mussten oder freiwillig nach hinten gingen, um besser Luft zu bekommen. Während der kurzen Pausen zwischen den einzelnen Titeln gingen Mitarbeiter des FZW durch die Menge und verteilten das dringend benötigte Wasser, um Fans ansatzweise wieder fit zu kriegen. Dabei sollte das Tempo nicht nachlassen, wie "VENOMOUS SPIDER’S WEB" und "THE SUICIDE CIRCUS" definitiv bewiesen.

Etwas ruhiger, aber wirklich nur etwas, wurde es erstmals bei "DRIPPING INSANITY", dessen wehleidige Gitarrenriffe und Refrains stark an eine rockige Ballade erinnerten. Die etwas gedämpftere Stimmung nutze die Band aus und schloss gleich darauf "UNTITLED" hinten an, das für den Abend die einzige Ballade darstellen sollte. Bei der teilweise verzweifelten Stimme des Sängers, der andächtigen Performance der anderen Musiker und der traurigen Bedeutung des Songs musste man sich stark zusammenreißen, um nicht ein oder zwei Tränen zu vergießen. Besonders wenn man Kai beobachtete, der leise für sich, aber dennoch leidenschaftlich, hinter seinem Schlagzeug versteckt, mitsang.

Allerdings hieß es danach gleich wieder: genug der Verschnaufpause. Mit "DERANGEMENT" ging es wieder zurück in die wilderen Gefilde. Mit einem "3, 2, 1: Come on!" eröffnete der Sänger das Lied und sprang mit der Menge im Takt zu dem harten und verzerrten Sound. Das folgende "Headache Man" bot wieder einmal genügend Gelegenheiten, um ordentlich zu headbangen, aber auch um zum lässigen Refrain ausgelassen zu tanzen. Zwei persönliche Highlights bildeten dabei der tiefe Growl und das diabolische Lachen mit dem Ruki den Song beendete. Definitiv ein Highlight für alle Anwesenden waren die letzten beiden, älteren Songs "Cockroach" und "Filth in the beauty". Vor allem Letzterer wurde von den Fans euphorisch, mit ohrenbetäubenden Freudenschreien begrüßt. Ein letztes Mal bot die Halle alles an Kraftreserven auf, was noch übrig war, bevor das Licht auf der Bühne erlosch und die Musiker in den Backstagebereich verschwanden.

Gleich darauf ertönten schon die ersten Zugabe-Rufe, während ein Teil der Menge erst einmal nach hinten zur Bar stürmte, um sich mit Flüssigkeit zu versorgen. Nach circa zehn bis fünfzehn Minuten kam die Band zurück auf die Bühne und eröffnete die Zugabe mit "Shiver". Die Zugabe war eindeutig mit leichteren und ausgelasseneren Titeln bestückt, zu denen man nun mehr tanzen und springen konnte. Auch auf der Bühne kam etwas mehr Bewegung rein, Aoi und Uruha tauschten öfters mal die Plätze und auch Reita traute sich etwas weiter nach vorn. Allgemein hatte man das Gefühl, dass die Band entspannter war, als vorher.
Abgerundet wurde die Setlist von den Klassikern "Ruder" und "LINDA ~Candydive Pinky Heaven~". Obwohl alle immer noch kräftig mitklatschten, spürte man die Traurigkeit, dass das Konzert schon zu Ende sein sollte und über die selbst Kais strahlendes Grinsen nicht mehr ganz hinwegtrösten konnte. Mit einem letzten Tusch, vielen in die Menge geworfenen Pleks und Drumsticks und Rukis Versprechen, bald wieder zu kommen, verließ die Band die Bühne. Die Lichter gingen an, die Türen auf, "Knocking On Heaven's Door" von den Guns 'n' Roses ertönte aus den Lautsprechern und begleitete die erschöpften, aber glücklichen Fans nach draußen, die sich mit der Erinnerung an ein gelungenes Konzert im Gepäck auf den Heimweg machten.

Ein kleiner Wermutstropfen bleibt dennoch zurück: Obwohl es ein sehr energiegeladenes und wildes Konzert war, bei dem man sowohl ausgelassen tanzen und springen als auch leidenschaftlich headbangen konnte, ist es enttäuschend und auch ärgerlich gewesen, dass das relativ teure Konzert lediglich gerade so 1 1/2 Stunden gedauert hat. Auch über die Tatsache, dass die Band irgendwie verärgert oder reserviert wirkte und nur wenig mit den Fans interagierte, kann die super Show nicht hinwegtäuschen. Dennoch kreuzen wir die Finger und hoffen, dass the GazettE ihr Versprechen wahr machen und nicht erst wieder in sechs Jahren zurück kommen werden. Und solange sehen wir gespannt dem Release des neuen Albums entgegen.


Setlist

01. VORTEX
02. Leech
03. Before I decay
04. GABRIEL ON THE GALLOWS
05. VENOMOUS SPIDER’S WEB
06. THE SUICIDE CIRCUS
07. DRIPPING INSANITY
08. UNTITLED
09. DERANGEMENT
10. Headache Man
11. SLUDGY CULT
12. Cockroach
13. Filth in the beauty

Encore

14. Shiver
15. Ruder
16. Linda ~Candydive Pinky Heaven~
künstler
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the GazettE 25/09

the GazettE
Dortmund - Germany
FZW
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