Der erste ASTAN ASIA DAY in Essen

konzertbericht - 21.11.2015 19:00

Ein Tag voller asiatischer Kultur, der neben Musik auch Essen, Mode und Kunst aus Japan bot.

Der ASTAN ASIA DAY am 17. Oktober in Essen war das erste Event seiner Art. Veranstalter Stefan Mensing und sein Team gaben ihr Bestes, um an diesem Tag nicht nur japanische Musik auf die Bühne zu bringen, sondern auch anderen interessanten asiatischen Kunstformen eine Plattform zu bieten.

Schon bevor das Event startete, gab es vor der Weststadthalle in Essen die ersten unterhaltsamen Begegnungen mit Künstlern und dem Veranstalter. Trotz Verzögerungen unterhielten sich die Besucher in entspannter, geselliger Atmosphäre mit Modedesigner Takuya oder Organisator Stefan, bevor der Einlass endlich losging. Endlich, da aufgrund der verspäteten Soundchecks anstatt des geplanten Starts um 12:30 Uhr die Besucher erst um 13:30 Uhr bzw. 14:30 Uhr in die Halle durften. Drinnen herrschte um halb drei bereits rege Betriebsamkeit, denn nach Beendigung der Soundchecks konnten die Fans ein Foto zusammen mit HIZUMI (ex-D'espairsRay, nun Inhaber seiner Design-Marke UMBRELLA) und den drei Mitgliedern der Melodic Death Metal-Band GYZE machen. Danach ging es weiter zum Gruppenfoto mit J-Music-Legende Közi, dessen Support-Musikern sowie dem koreanischen Jazz-Pop-Sänger dabit. Die beiden Shootings wurden zügig durchgeführt und so konnte das eigentliche Programm trotz des verspäteten Einlasses bereits um 15 Uhr beginnen.

Kalligraphie-Künstler Maaya Wakasugi eröffnete den ASTAN ASIA DAY mit einer kurzen Darbietung seines Könnens. Der renommierte Kalligraph, der bereits mit 17 Jahren seine erste Ausstellung durchführte und im Lauf seiner Karriere Konzepte für namhafte Marken und Lokale entwarf, fertigte in den zehn Minuten seines Auftritts ein dynamisches, grafisches Werk auf einer übermannshohen Leinwand.

Nach dieser artistischen Eröffnung verblieb das Kunstwerk zum Betrachten auf der kleinen Nebenbühne. Es folgte ein etwa zwanzigminütiger Vortrag von Autorin Lydia Benecke über Sadismus in der internationalen Kunst und Kultur, dem viele Besucher interessiert lauschten.

Die kurze Pause zwischen diesem und dem nächsten Veranstaltungspunkt nutzten einige, um das erste Mal die aufgebauten Stände in der Haupthalle und dem Vorraum zu besuchen. Im Vorraum arbeitete die international hoch angesehene Tattoo-Künstlerin Soe Sezuki, die unter anderem auch einige prominente Vertreter der japanischen Musikszene tätowiert hat, in einer ruhigen Ecke. Im Vorfeld konnte man sich für die wenigen Tattoo-Plätze bewerben und am Tag des Events konnten sich die Gewinner eines Slots für eines von Soes Motiven entscheiden. Daneben hatte Rote Fee ihren Stand aufgebaut, an dem sie verschiedene einfache Motive mit Henna-Farbe auf die Haut von interessierten Besuchern auftrug. Weiterhin gab es japanische Köstlichkeiten wie Melonpan und Currypan von der japanischen Bäckerei Bakery My Heart aus Düsseldorf. Direkt daneben hatte sich Ryoji, Sänger von GYZE eingefunden und verkaufte strahlend das Merchandise der Band.

In der Haupthalle gab es neben einigen Ständen mit Lolita-Kleidung und -Accessoires auch Zeichner, den Stand von Modedesigner und DJ Takuya Angel, die Stände von HIZUMI und dabit, an dem auch Vertreter des belgischen Visual Kei- und Lolita-Magazins BCM saßen, sowie den Stand des Labels HIGHFeeL, das vor allem ADAMS-Merchandise und Tickets für die bevorstehende Tour vertrieb.

Die Pause dauerte allerdings nicht lang, denn sobald die Instrumente – neben Keyboards und Mikrofonen auch ein Theremin – aufgebaut waren, betraten Közi und seine Band, unter dem Namen Közi solo ver:E//+Z, die Bühne. Waren die Fans anfangs noch verhalten, begannen schon nach kurzer Zeit die ersten zu den elektronischen Beats zu tanzen. Közi, dieses Mal ohne seine Gitarre, spielte zeitweise das Theremin, widmete sich aber größtenteils seinem Gesang, unterstützt von seinen Supportmusikern an Keyboard und Laptop. Während des 40-minütigen Sets lieferten Projektionen über der Bühne eine künstlerische visuelle Untermalung, die eine angenehme Stimmung erzeugten. Am Ende des Auftritts verabschiedeten die Fans die drei Musiker jubelnd und mit begeistertem Applaus. Der erste Musik-Act des Tages war erfolgreich über die Bühne gegangen.

Eine knappe halbe Stunde später folgte ein ruhigerer aber nicht minder interessanter Programmpunkt: HIZUMI betrat zusammen mit zwei Übersetzerinnen die Hauptbühne. Zwanzig Minuten lang stellte er sich ab 17 Uhr den Fragen der Anwesenden, erklärte, er freue sich, zurück in Deutschland zu sein, wolle eines Tages auch mal als DJ arbeiten und viele neue Dinge mit seinem Design-Label UMBRELLA ausprobieren. Natürlich gab es auch die Frage nach seiner Gesundheit und ob er das Singen vermissen würde. HIZUMI antwortete, es ginge ihm gesundheitlich so weit gut und privat singe er auch ab und an – und obwohl er gern wieder auf die Bühne und auch in Deutschland auftreten möchte, kann er bisher noch nicht einschätzen, ob es wirklich möglich ist. Momentan will er sich auf sein Label und dessen Ausbau konzentrieren.

Leider überschnitt sich die folgende Autogrammstunde mit HIZUMI an dessen Stand mit dem Auftritt von Lolita∞Complex, was sowohl für die Band als auch für die Anwesenden sehr schade war. Die beiden spielten auch nur vier Songs, wobei sie vor dem letzten Lied noch eine wichtige Message hatten. Sängerin und Lolita Model Tocco richtete aufgrund der aktuellen Thematik auf Englisch das Wort an die Menge: "Deutschland akzeptiert Flüchtlinge und andere Menschen, aber das ist eine Sache, die Japaner von den Deutschen noch lernen sollten. Deswegen werde ich heute Abend ein deutsches Lied singen, allerdings auf Englisch." Während des folgenden bekannten Liedes, wurde die Bühne in Dunkelheit getaucht, einzig ein Scheinwerfer auf die Sängerin und unzählige kleine Lichter im Bühnenhintergrund, die wie ein Sternenhimmel wirkten, verblieben. Mit dieser magischen Stimmung verabschiedete sich das Elektro-Duo schließlich vom Publikum, das begeistert applaudierte.

Direkt an diese Performance schloss sich die Modenschau von Takuya Angel an, wobei der Designer selbst in der Mitte an den Turntables stand. Als die Models – alle gekleidet in moderne Kimonos im Cyber Punk-Stil mit kräftigen Farben, oft geschmückt mit Schmetterling-Accessoires – ihren Auftritt zu den EBM-Beats von Takuya absolviert hatten, verblieb er auf der Bühne. Das Licht erlosch. Dann begann Coco Katsuras eindrucksvolle Feuershow, für die der Designer die musikalische Untermalung lieferte. Coco Katsura sorgte für eine kurzweilige Show, der viele der Besucher begeistert beiwohnten.

Bevor es mit Musik weiterging, hielten Wanda Proft, Fotografin und Autorin, und Organisator Stefan Mensing einen interessanten Vortrag über ihre in Kürze erscheinenden Bücher. Während Wanda Einblick in die Entstehung und das Wesen von Visual Kei gab, plauderte Stefan aus dem Nähkästchen, indem er ein paar Anekdoten seiner zehnjährigen Zusammenarbeit mit japanischen Künstlern und Bands zum Besten gab. Nach kurzer Zeit wurden auch die Gewinner des Fotocontests bekanntgegeben. Bei diesem Contest konnten Fotografen im Vorfeld ein selbst gemachtes Foto zum Thema "Asien" einreichen, das anschließend von einer Jury bewertet wurde.

Um 19 Uhr war es dann Zeit für den Musik-Act: Jazz-Pop-Sänger dabit aus Korea wusste mit seiner gefühlvollen Musik die Besucher zu verzaubern. Mal ruhig, mal fröhlich präsentierte der Koreaner sechs seiner Songs und überzeugte in den MCs mit seiner offenen, unterhaltsamen Art. Obwohl die Zuschauer nach einer Zugabe verlangten, konnte dieser Wunsch leider aufgrund des Zeitplans nicht erfüllt werden. Dafür unterschrieb dabit im Anschluss an sein nur 25-minütiges Set dann gut gelaunt seine aktuelle Single an seinem Stand, während auf der Bühne die Aufbau-Arbeiten für den letzten Act des Abends begannen.

Bis 19:45 Uhr sammelten sich schon einige Fans auf beiden Seiten der Bühne und als endlich die Headliner GYZE im Scheinwerferlicht erschienen, wurden sie bereits mit Jubel empfangen. Spätestens nach dem ersten Song der Melodic Death Metal Band und einer kurzen Begrüßung durch Sänger Ryoji füllte sich die Haupthalle zusehends – die schnellen, aggressiven Songs, die dennoch von einer starken Melodie gekennzeichnet waren, rissen die Menge sofort mit und nicht nur direkt an der Bühne, sondern auch im hinteren Teil gab es energische Headbanger. Immer wieder angestachelt von Ryojis Aufforderungen, gingen die Fans bei jedem Song ab und die Halle war gefüllt von einer enormen Energie. GYZE boten alles, was Freunde von Rock und Metal lieben: Kantige Riffs, treibende Drums, kraftvolle Vocals und Backing Vocals, mitreißende Gitarrensolos und schnelle, melodiöse Arrangements, zu denen man wunderbar die Mähne schütteln kann. Drummer Shuji und Bassist Aruta hatten neben Sänger und Gitarrist Ryoji auch sichtlich Spaß, letztere wechselten auch immer wieder die Positionen, spielten zusammen auf dem Bühnenausläufer oder vor Shujis Drumset. Nach 40 Minuten schließlich verabschiedete sich die Band, doch keiner der Fans hatte bisher genug. Sofort verlangten alle Anwesenden mit großem Nachdruck nach einer Zugabe und sichtlich gerührt und fröhlich erschien Shuji kurz darauf wieder hinter seinem Drumset. Er begann mit einem Solo, in das der auf die Bühne zurückkehrende Ryoji nach kurzer Zeit mit einstimmte. Als auch der Bassist wieder im Scheinwerferlicht erschien, spielte die Band nach kurzer Beratung ein zweites Mal ihren populärsten Song "Desire" ein zweites Mal und wurde von den Fans wild gefeiert.

Gegen 20:40 Uhr endete dann der ASTAN ASIA DAY mit einem fulminanten musikalischen Finale. Während die Haupthalle sich zügig leerte und die Händler ihre Stände abbauten, fanden sich die GYZE-Mitglieder noch im Vorraum ein, um Fotos mit ihren Fans zu machen und noch ein wenig zu plaudern. Oder um sich noch ein Currypan als Abendessen von der Bakery My Heart zu sichern. Erst gegen 21:30 Uhr verließen auch die letzten Besucher die Weststadthalle.

Nach Ende des Tages bleibt ein insgesamt positiver Eindruck. Obwohl es im Vorfeld ein paar Probleme und unschöne Ereignisse gab und auch am Anfang des ASTAN ASIA DAYs vor Ort nicht alles glatt lief, so gab es doch ein vielfältiges Programm und eine schöne Mischung asiatischer (wenn auch – natürlich – vornehmlich japanischer) Künstler. Wir würden uns persönlich über einen zweiten ASTAN ASIA DAY freuen, bei dem es noch vielfältiger zugehen könnte. Zu hoffen wäre natürlich, dass es nächstes Mal ein ganzes Wochenende wird, wie es ursprünglich auch diesmal geplant war, da so den einzelnen Programmpunkten und Künstlern noch mehr Raum gegeben werden könnte. Sicherlich ist der diesjährige AAD aber ein guter Grundstein für Folgeveranstaltungen dieser Art und die Veranstalter können aus den Erfahrungen dieses Events für ein eventuelles Folge-Event lernen. Allemal ist der AAD eine gute Gelegenheit, die vielen Facetten der modernen asiatischen und besonders der japanischen Kunst kennenzulernen.
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Takuya Angel 17/10

GYZE   HIZUMI   Közi   Lolita∞Complex   Takuya Angel  
Essen - Germany
Weststadthalle
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