Hakujitsu no Yume x Kurohime no Muyuubyou - Saishu Menkai

konzertbericht - 08.03.2017 05:00

Für alle die wissen wollten, was aus den Shounenki-Mitgliedern geworden ist: JaME hat sich für euch die Nachfolge-Projekte angeschaut.

Führt man sich vor Augen, welche Bands der Visual Kei im Jahr 2016 verloren hat, ergibt sich eine lange wie traurige Liste. Auf dieser stehen große Namen wie SCREW, BORN und girugamesh neben Hoffnungsträgern wie Zin, KILLANETH oder DIV. Doch wenige Verluste schmerzen so sehr, wie die unerwartete Auflösung einer der kreativsten und konstantesten Visual-Kei-Bands der letzten Jahre. Shōnenki, so der Name des Quartetts, welches immer wieder zu überraschen wusste und schließlich am eigenen Kreativitätsüberschuss zugrunde gegangen war. Doch damit war für die Mitglieder genannter Formation noch nicht aller Tage Abend. Nachdem Bassist Rei dem Rücktritt aus dem Musikgeschäft den Vorzug gegeben hatte, gründeten die übrig gebliebenen Mitglieder zwei neue Projekte: Hakujitsu no Yume und Kurohime no Muyūbyō.

Während Hakujitsu no Yume die Geschichte zweier Psychatrie-Insassen namens Sera und China erzählt und auf geradlinigen Rock setzt, dreht sich die Erzählung von Kurohime no Muyūbyō um die vornehme Prinzessin Riza und ihren eleganten wie bemitleidenswerten Sidekick Zeru. Im Gegensatz zum weißen Pendant zeichnet sich Kurohime durch einen deutlich theatralischeren Stil mit viktorianischem Flair aus. Das Besondere: Ex-Shōnenki-Vokalist Kou verkörpert sowohl Riza, als auch den wahnsinnigen Sera und stand somit seit letztem April unter Doppelbelastung. Nicht zu unterschätzen, bei insgesamt 57 Konzerten in diesem Zeitraum. Am ersten Samstag des letztjährigen Dezembers fanden beide Projekte ihr Ende auf einem Doppel-One-Man im Osaka Ruido. Selbstverständlich waren wir von JaME vor Ort, um euch live und frisch aus den Tiefen des Undergrounds zu berichten!

Den Anfang machten zu ungewohnt früher Zeit Kurohime no Muyūbyō, welche schon um kurz nach 16 Uhr auf die Bretter geschickt wurden. Zum Sell-Out dürfte an diesem Abend nicht mehr viel gefehlt haben und das obwohl parallel der ein oder andere größere Act in der Stadt war. Nicht schlecht für das doch recht sparsam vermarktete Projekt, welches das Set mit der ersten Single "Riza" begann. Die zahlreich erschienenen Fans ließen sich nicht zweimal zum Tanz bitten, sodass die letzte Reise des Duos geschwind an Fahrt aufnahm. Das Soundsystem des Ruidos präsentierte sich einmal mehr in hervorragender Verfassung, wovon vor allem der viktorianische Elektro-Rocker "Akuma no Ko" profitierte. Ebenso "Junkoku no Judgement", welches live unerwartet kraftvoll aus den Boxen tönte und so ganz anders wirkte, als es die laue Brise auf CD vermuten lässt.

Immer wieder zum Tragen kam der ganz bandeigene Humor, denn Kurohime stellten ihr Konzert auch an diesem Abend als Theateraufführung, inklusive dramatischer Dialoge zwischen den Songs, dar. So überraschte zum Beispiel Prinzessin Riza ihren treuen Gefährten Zeru mit selbstgebrautem Tee, welchen dieser nur mit sehr viel Mühe heruntergeschluckt bekam. Das Publikum freute es, was aber auch an den beiden Live-Krachern "Kuronekohime" und "Ichigo Panic" hätte liegen können. Katzen und Erdbeeren, soviel zum Humor der Band, scheinen an diesem Abend genau das Richtige für die Feierwütigen im Ruido gewesen zu sein. Ebenso das etwas überraschend nicht als Rausschmeißer performte "Yumeyū Shōjo", welches mit seinem grandiosen Pre-Chorus und dem kitschigen, aber irgendwie zu Bewegung anregenden Refrain richtig gut beim Publikum ankommen konnte. Doch alles Schöne findet irgendwann ein Ende und so wurde mit "Tabidachi no Rondo" schließlich ein letztes Mal die Discokugel in Betrieb genommen. Ein schöner und irgendwie warmer Abschluss in dessen Anschluss die Band fleißig Süßigkeiten in die Menge warf, was bei Kurohime seit jeher (also seit Mai) Tradition hat.

Das Publikum war schon drauf und dran sich zu verabschieden, als schließlich Prinzessin Riza einfiel, dass man doch einfach noch ein weiteres Mal "Ichigo Panic" als Quasi-Zugabe performen könnte. So warfen sich die Zuschauer des erstens Teils ein weiteres Mal ins Getümmel und feierten, bevor sich unausweichlich der Vorhang schloss und Prinzessin Riza, sowie Gefährte Zeru mit den Worten „Vergesst uns nicht!“ die Bühne des Ruidos verließen.

Setlist:
1. Riza
2. Akuma no Ko
3. Junkoku no Judgement
4. Kuronekohime
5. Ichigo Panic
6. Yumeyū Shōjo
7. Tabidachi no Rondo
8. Ichigo Panic

Bevor sich Hakujitsu no Yume den Osakaer Fanscharen präsentieren durften, zeigte sich erst einmal, welchen Nachteil es hat, wenn man als Sänger einer Visual-Kei-Band zwei Verpflichtungen an einem Abend nachkommen muss. Denn um Prinzessin Riza in den Psychopathen Sera zu verwandeln, war eine zweistündige (!) Pause anberaumt worden. Also wieder raus aus dem Ruido, um in den Einkaufstraßen Shinsaibashis die Zeit totzuschlagen. Pünktlich um 19 Uhr begann schließlich der Einlass und somit durften die Angereisten einmal mehr das schon bekannte Prozedere durchlaufen. Anstellen, Ticket zeigen, Drink-Ticket kaufen, Cola an der Bar holen und ab in die Halle. Stündlich grüßt das Murmeltier.

Noch bevor der Vorhang sich öffnete, riskierten Sänger Sera und Gitarrist China schon einmal einen Blick, ob auch schon ausreichend Stimmung im Ruido vorhanden war. Unvermittelt brach der Refrain der notorischen Live-Abrissbirne "Daydream Overdose" aus den Boxen hervor, während das Publikum nach anfänglicher Verwirrung springend von einem Hallenende zum nächsten wanderte. Sichtlich zufrieden gestellt, beendete Sera den Song ebenso plötzlich wie er begonnen hatte und hakte bei den Zuschauern nach, welchen Song sie denn gerne als Opener hören würden wollen. "Ato Sukoshi", so der mehrheitliche Entschluss, was Sera nur ein verschmitztes „Nachher“ entfleuchen ließ. Stattdessen legten Hakujitsu no Yume mit dem fetzigen Rocker "Resonant" los. Hatte ich schon den Humor der Jungs erwähnt?

Besonders auffallend war, wie sich die Band im Laufe des letzten halben Jahr entwickelt hatte. Konnte das Duo auf ihrem ersten One-Man Ende Mai keinerlei nennenswerten Stimmungsorkane erzeugen, zeigten sich Hakujitsu heute von ihrer Schokoladenseite. Auch wenn der Sound alles andere als herausragend war und Chinas Gitarre immer wieder vom Schlagzeug verschluckt wurde, führten Sera und China mit Songs wie "Sakuryaku" oder dem wilden "Daydream Overdose" vor, wie ein barfüßiges Duo eine kleine Halle schnellstmöglich in ein Tollhaus verwandeln kann. Da man die Zuschauer jedoch nicht überfordern wollte, verteilten Hakujitsu als kleines Präsent ein Kiste an Wasserflaschen an die inzwischen hechelnden Fans. Fanservice der etwas anderen Art halt. Aber auch so hatte man genügend Verschnaufpausen eingebaut und lockerte mit dem im Sitzen performten "Oinori" und dem eigenwilligen "Maboroshi Hi", welches übrigens mit hervorragendem Sound gesegnet war, das Set ein bisschen auf.

Wäre da nur nicht irgendwann Kurohime-Gitarrist Zeru auf die Bühne gerannt, um doch noch ein weiteres Mal eine, nun aber allerletzte, "Ichigo Panic" heraufzubeschwören Während Sera und China begannen, sich mit gespielt, gequälter Miene ans Werk zu machen, feuerte Zeru schon einmal das überraschte Publikum an. Diesmal also mit zwei Gitarren, was dann doch ordentlich hämmerte, sodass es fast schon schade war, dass Support-Bassist JITAN den armen Zeru schon zur Hälfte des Liedes von der Bühne scheuchte. Dies war dann allerdings auch das letzte, kreative Mittel mit dem Hakujitsu no Yume versuchten, ihr nur acht Lieder langes Set zu strecken. Mit dem Fanliebling "Nine", welches live in einer deutlich variierten Fassung vorgetragen wird, endete somit eine weitere Ära der Ex-Shōnenki-Truppe.

Setlist:
1. Resonant
2. Reunion
3. Maboroshi Hi
4. Ato sukoshi
5. Oinori
6. Ichigo Panic (mit Zeru von Kurohime)
7. Daydream Overdose
8. Sakuryaku
9. Nine

Doch spätestens als Sänger Sera und Gitarrist China mit den letzten Tönen und einem Affenzahn die Bühne verließen, dämmerte so manchem Anwesenden, dass das Ende des Abends noch nicht ganz erreicht war. Schon vor dem Start des zweitens Teils war am linken Hallenende eine Leinwand herabgelassen worden, auf welcher das schon Tage zuvor auf Youtube hochgeladene Intro zu Amai Bōryoku gezeigt wurde. Amai Bōryoku ist der Name des Quasi-Shōnenki-Comebacks, in welchem alle Mitglieder von Hakujitsu no Yume und Kurohime no Muyūbyō wiederzufinden sind. Komplettiert wird das Quartett von Kurohime-Support-Drummer Kei, welcher nun auch für Amai Bōryoku hinter den Dampfkesseln Platz nehmen darf.

Ihren ersten Auftritt hatte die Band schon auf dem Visual Grafitti Vol.5 im Oktober diesen Jahres, wo sie noch als die große Überraschung und Opening Act fungierten. Wieder öffnete sich der Vorhang und zum Vorschein kam... ein Vorhang. Viel zu sehen war von der Reunion, bis auf Schatten, also nicht, aber immerhin konnte sich der neue Song "Dekiai Shitto" hören lassen. Wenn Amai Bōryoku es durchgängig schaffen auf diesem Niveau zu rangieren, können wir uns auf viele tolle Lieder in den nächsten Jahren freuen. Ich zeige mich in freudiger Erwartung und damit Over and Out aus Japan!

Setlist:
1. Dekiai Shitto
künstler
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