NeoBallad - Tenchi jinshin shin ~Ito no kanade~

review - 23.06.2017 06:00

Volkslieder aus den unterschiedlichsten Städten und Regionen Japans werden neu interpretiert.

Künstler: NeoBallad
Titel: Tenchi jinshin shin ~Ito no kanade~
Typ: Live-DVD+CD
Stil: Pop, Folklore
Veröffentlichung: 21.09.2015

Tracklist DVD & CD:
01. ~Prologue~*
02. Itako Ayame odori (潮来あやめ踊り)
03. Hachinohe kouta (八戸小唄)
04. Soran bushi (ソーラン節)
05. Tsugaru jongara bushi (津軽じょんがら節)
06. Sotoyama bushi (外山節)
07. Hiroshima kiyari ondo (広島木遣り音頭)
08. Shimotsui bushi (下津井節)
09. Chawanmushi no uta (茶碗蒸しの歌)
10. Hanagasa ondo (花笠音頭)
11. Konpira funefune (金毘羅船々)
12. Akita nagamochi uta (秋田長持唄)
13. Shin soma bushi (新相馬節)
14. Aizu Bandai san (会津磐梯山)
15. Nanbu tawara tsumi uta (南部俵積み唄)
16. Akita ondo (秋田音頭)
17. Kase no yakko odori (嘉瀬の奴踊り)
18. Tanko bushi (炭坑節)
19. Mamurogawa ondo (真室川音頭)
20. Asadoya yunta (安里屋ユンタ)
21. Akita daikoku mai (秋田大黒舞)*
* nur auf der Live-DVD


Das Pop-Folkloreduo NeoBallad um Sängerin Wakasa Sachi und Komponist und Schlagzeuger Kamiryo Wataru lud am 16. August 2014 für ihr One-Man-Konzert Tenchi Jinshin shin Vol.4 ins KOENJI HIGH. Im September 2015 erschien dann schlussendlich die zugehörige Live-DVD unter dem Titel "Tenchi Jinshin shin ~Ito no kanade~" mit Bonus-CD. Im November 2016 konnte man das Duo erstmals auf der HYPER JAPAN in London auf europäischem Boden erleben. Ein Grund mehr, sich das Duo einmal näher anzusehen bzw. anzuhören.

Mit dem "Prologue", einer kleinen Erzählung, zu der wunderschöne Naturaufnahmen auf eine Leinwand projiziert werden, beginnt das Konzert. Nahezu nahtlos schließen sich die ersten sachten Shamisen-Klänge von "Itako Ayame odori" an, in die nur wenig später Sachis einfühlsamer Gesang und das Schlagzeug einfallen. Die Sängerin wirkt durch die anfängliche Verschleierung mit einem hellen Tuch sehr ätherisch, was wunderbar zu den sanften ruhigen Klängen des traditionellen Stückes aus Ibaraki passt. Etwa in der Mitte zieht das Tempo an, ein dumpfer Bass kommt hinzu und Tsugaru Shamisen-Spieler Jack betritt die Bühne. Im Hintergrund werden darüber hinaus weiterhin Aufnahmen von einem traditionellen Fest bei Nacht gezeigt. Mit dem fröhlichen, aus Aomori stammenden, "Hachinohe kouta" setzen NeoBallad und Gastmusiker Jack ihr Set fort. Durch die Instrumentierung, gesangliche Interpretation (mit gelegentlichem Falsett) und den Backgroundvocals kommt hin und wieder das Gefühl auf, man lausche einem Enka-Song. Anschließend heißt Sachi das Publikum herzlich zum One-Man willkommen, stellt Jack und das nächste Lied vor. Auch "Soran bushi" hat einen Enka-artigen Charakter, wirkt durch den lebhaften Rhythmus aber bedeutend ausgelassener. Einzig der Part, in den auch das Publikum mit eingebunden wird, ist das Tempo gedrosselt und der Titel wirkt ernster. Allerdings ist die Bridge, in der eine starke E-Gitarre mit einem Solo einen akustischen Auftritt feiert, sehr hörenswert. Das nachfolgende "Tsugaru jongara bushi" (aus Aomori) wartet mit dem fingerfertigen Shamisen-Spiel von Jack auf, der sein Instrument wie ein Rockstar spielt. Das eigentlich sehr traditionelle Stück wird durch die moderne Interpretation (im Hintergrund vernimmt man Synthesizerklänge) zu einem interessanten Ausflug in das alte Japan. Sachi animiert das Publikum immer wieder zum mitklatschen - mit Erfolg.

Daran schließt sich mit "Sotoyama bushi" (aus Iwate stammend) eine gemächliche, träumerische Ballade an. Sachi tanzt federleicht über die Bühne oder wiegt sich sanft im Takt der Musik. Beim nächsten Lied, "Hiroshima kiyari ondo", ändert sich die Atmosphäre stark. Das Tempo des Liedes ist immer noch langsam, aber die Melodie wirkt ein wenig unheimlich und geheimnisvoll. "Shimotsui bushi", ab dem dann für eine Weile nur noch das Duo auf der Bühne zu erleben ist, ändert das dann ganz schnell wieder. Helle, verträumte Synthesizer, eine japanische Flöte, Sachis fröhlicher Gesang, Watarus kraftvolle Drums und Sachis Tanzeinlagen gepaart mit modernen Projektionen auf der Leinwand erzeugen eine sehenswerte Kulisse. "Chawanmushi no uta" ist ähnlich gelagert, aber vom Klang her sogar noch einen Tick heller und verspielter, was nicht zuletzt an den schönen Melodien vom Synthesizer liegt. Auch das Drumsolo von Wataru und der sachte Tanz Sachis tragen viel zum unbeschwerten Charakter des Liedes aus Kagoshima bei. Das aus Yamagata stammende "Hanagasa ondo" ist erneut von fröhlicher und Enka-artiger Natur. Sachi tanzt hier mit einer Art Blumenbouquet über die Bühne. Im sich anschließenden MC stellt die Sängerin die beiden Violinistinnen Asai Mari und MIZ vor, die für die Darbietung des spielerischen "Konpira funefune" ihre beiden Geigen spielen. Leider fallen die Geigen akustisch kaum auf, da E-Gitarre, Bass, Synthesizer und Schlagzeug deren sanften Klang fast komplett überlagern. Die beiden Violinistinnen spielen auch im darauf folgenden ätherischen "Akita nagamochi uta" wieder ihre Geigen. Die beiden Streichinstrumente sind in dieser ruhigen, verträumten Ballade allerdings etwas besser wahrnehmbar also zuvor.

Für "Shin soma bushi" haben die beiden Gastmusikerinnen die Bühne verlassen, aber dafür ist Tsugaru Shamisen-Spieler Jack für das geheimnisvolle Stück aus Fukushima wieder auf die Bühne zurückgekehrt. Die Leinwand zeigt einen Bambuswald mit Glühwürmchen bei Nacht, was den geheimnisvollen Eindruck noch stärkt und auch das Drumsolo in der Mitte des Liedes kommt sehr atmosphärisch daher. Akustisch bleiben NeoBallad noch wenig in der Region um Fukushima und stimmen "Aizu Bandai san" an. Jack hat sich erneut zurückgezogen, aber bekommt der Zuschauer auf der Leinwand ein parallel laufendes Musikvideo und eine gut gelaunte Sachi in dem verspielten Lied zu sehen. Während Sachis Ansage für das nächste Stück, "Nanbu tawara tsumi uta" aus Iwate, kommt Jack zurück. Zu den fast diskohaften, flotten Klängen tanzt Sachi mit einem Fächer über die Bühne und animiert die Fans zum mitklatschen. Diesem folgt das unbeschwerte "Akita ondo", das gleich zu Beginn durch die hellen Flötenklänge und den flotten Rock'n'Roll-Beat auffällt und gute Laune verbreitet. Erneut tanzt Sachi mit dem Fächer umher, während Jack sein fingerfertiges Spiel in einem Solo unter Beweis stellt.

Für "Kase no yakko odori", das mit Jacks Shamisen angestimmt wird, gesellen sich dann noch Mari und MIZ mit zum Ensemble hinzu. Zu fünft auf der Bühne entfaltet sich dann ein fröhliches, flottes Volkslied mit Festivalcharakter. Im sich anschließenden, ruhigen "Tanko bushi" sind nur noch Wataru, Sachi und die beiden Violinistinnen auf der Bühne. Die Geigen kommen in der wunderschönen Ballade sehr schön zur Geltung und auch Sachis Gesang und Tanz passen sich dem gefühlvollen Charakter des Stückes aus Fukuoka wunderbar an. Beschwingter und fröhlicher geht es mit "Mamurogawa ondo" weiter. Sachi tanzt mit Fächer über die Bühne und selbst Mari und MIZ wippen im Takt mit, wenn sie nicht gerade ihre Bögen über die Saiten der Geigen streichen. Für das nächste Stück des Sets, dem hellen und verträumten "Asadoya yunta", werden NeoBallad erneut von Mari und MIZ unterstützt, deren Geigen neben Sachis Gesang noch eine weitere wehleidige Note in das ohnehin schon recht stille, gefühlvolle Stück bringen. Im letzten Stück der DVD, der Zugabe "Akita daikoku mai", stehen noch einmal alle fünf Musiker auf der Bühne und Sachi schwingt einen goldenen Hammer hin und her, steckt mit ihren guten Laune aber auch alle an. Außerdem wartet diese lebhafte Performance noch mit wunderschönen Soli auf. Mit dem darauf folgenden Abspann kommt die Live-DVD auf eine Gesamtspielzeit von gut 88 Minuten.

Wie eingangs erwähnt liegt dem Set auch noch eine CD bei, die bis auf die Einleitung, die MCs und dem Stück "Akita daikoku mai" noch einmal Lieder von der DVD als Live-Versionen umfasst. Akustisch lässt sich kaum ein Unterschied feststellen. Einzig die Abmischung ist hier etwas anders, weshalb bestimmte Instrumente, wie beispielsweise die Violinen in "Konpira funefune" besser zu hören sind als auf der Live-DVD.

Fazit: Die Live-DVD "Tenchi Jinshin shin ~Ito no kanade~" zeigt musikalisch ein anderes Japan. Die traditionellen Volkslieder hat Kamiryo Wataru auf sehr unterhaltsame Weise mit dem Einbinden von Popklängen in unsere Zeit geholt. Der Live-Mitschnitt von NeoBallads Konzert entpuppt sich als kurzweilig, unterhaltsam und zeigt auf eindrucksvolle Weise wie man auch scheinbar angestaubte Lieder inszenieren kann. Außer dem Duo konnten auch die Gastmusiker überzeugen. Interessierte Musikfans können NeoBallad mit diesem Release einmal näher kennen lernen.

"Hachinohe kouta" Musikvideo


"Nanbu tawara tsumi uta" (live)
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