Interview mit Haruka auf der Anime Messe Berlin

interview - 19.07.2017 13:36

Haruka sprach mit uns über ihr neues Album, ihre Zukunftspläne und warum es noch immer eine Sprachbarriere zwischen japanischen Bands und Fans gibt.

Kurz vor ihrem ersten Auftritt auf der Anime Messe Berlin 2017 sprach Singer-Songwriterin Haruka mit uns über ihre neuen Songs, ihre zukünftigen Pläne und warum es immer noch eine Sprachbarriere zwischen japanischen Künstlern und ihren internationalen Fans gibt.


Hallo Haruka! Danke, dass wir wieder ein Interview mit dir führen dürfen. Wir freuen uns sehr, dich erneut in Berlin begrüßen zu können. Worauf hast du dich denn am meisten gefreut, als du zum zweiten Mal für die Anime Messe Berlin eingeladen wurdest?

Haruka: Ich wollte dieses Jahr neue Dinge ausprobieren, daher werde ich zum ersten Mal in Berlin auf der Bühne Piano spielen. Außerdem werde ich auch ein paar neue Songs vom neuen Album spielen. Ich freue mich schon sehr, das auf der Bühne zu machen und die Reaktion des Publikums zu bekommen.

Du konntest bereits ein bisschen Sightseeing machen in Berlin, richtig? Was denkst du über die Stadt und allgemein darüber, wieder in Deutschland zu sein?

Haruka: Deutschland ist eines der Länder, in denen ich mich mit am wohlsten fühle, um ganz ehrlich zu sein. Wegen der Kultur an sich und weil die Menschen hier so respektvoll und freundlich sind, ist es sehr leicht, ins Gespräch zu kommen und sich zu unterhalten. Was Berlin anbelangt, denke ich, dass die Stadt an sich sehr kreativ ist. Man kann hier eine Menge Inspiration für Musik und Kunst finden, also finde ich die Stadt wirklich inspirierend und interessant. Deshalb liebe ich Berlin so sehr. Es ist hier wirklich ganz anders als in anderen europäischen Städten, also eher traditionelle Städte.

Also ist Berlin ein bisschen moderner?

Haruka: Ja, modern! Und experimentierfreudig. Es gibt eine Menge Contemporary Art und neue Architektur, daher gibt es hier auch eine Menge neuer Dinge für mich.

Gestern hattest du dein Q&A Panel, bevor du heute kurz nach unserem Interview dein erstes Konzert spielen wirst. Wie ist das Panel denn gelaufen und was erwartest du dir von deinem Konzert?

Haruka: Ich glaube, dass die neuen Songs von meinem bald erscheinenden Album sehr stark sind, da sie starke Messages enthalten. Daher freue ich mich besonders darauf, vom deutschen Publikum zu diesen Liedern Rückmeldungen zu erhalten. Beim Q&A Panel gab es wirklich sehr interessante Fragen. Auch ein paar lockere Fragen, wie zum Beispiel was meine Lieblingsanime oder -games wären. Natürlich wollten die Fans auch wissen, wie ich angefangen habe, Musik zu machen, wie mein neues Album wird und was ich in Zukunft noch so plane.

Wo wir gerade über zukünftige Pläne sprechen: Planst du, in Zukunft mehr Länder für Konzerte zu besuchen?

Haruka: Ja! Aber die Pläne sind noch nicht besonders konkret. Ich würde gern nach Europa zurückkommen, aber ich möchte auch sehr gern wieder nach Südostasien. Ich habe dieses Jahr eine Show in Indonesien gespielt und es war einfach der Hammer. Ich hatte so viel Spaß! Es gibt in Indonesien eine große Bevölkerung, ich glaube, dort leben doppelt so viele Menschen wie in Japan. In Indonesien gibt es so viele Menschen, vor allem auch junge Menschen, die Musik, die japanische Kultur, Games und Anime sehr lieben und wertschätzen. Also gibt es dort natürlicherweise auch einen großen Markt für uns Künstler. Wie gesagt, einer meiner Pläne ist, nach Indonesien zurückzukehren, aber ich möchte auch gern wieder nach Berlin kommen. Da an diesen beiden Orten bisher meine Lieblingsshows waren.

Wir würden uns freuen, dich bald wieder hier begrüßen zu können! Letztes Mal in Berlin sagtest du, dass du an einem neuen Album arbeiten würdest und hier im Interview erwähntest du auch schon neue Songs. Wie geht's mit dem neuen Album voran?

Haruka: Nun ja, ich glaube, ich werde es ungefähr im November veröffentlichen. Obwohl es noch kein festes Veröffentlichungsdatum gibt. Momentan stecke ich in den Aufnahmen – sieben Songs sind schon fertig, drei weitere muss ich noch fertigstellen.

Wie sieht es mit dem Artwork und den weiteren Arbeiten aus?

Haruka: Ich habe schon mit meinem Stylisten gesprochen und habe mich entschieden, welche Outfits ich im Musikvideo und auf den Fotos fürs CD-Booklet tragen werde. Ich freue mich schon sehr auf das Fotoshooting und die Aufnahmen fürs Musikvideo!

Also werden wir bald in den Genuss eines neuen Musikvideos von dir kommen?

Haruka: Ja! Es wird für den Lead Track des neuen Albums, "Carry on", sein!

Kannst du dir vorstellen, einen Song in einer komplett anderen Sprache als Japanisch oder Englisch aufzunehmen? Wäre das etwas, das du in Zukunft gern mal machen möchtest?

Haruka: Ja! Das würde ich gerne mal ausprobieren! Bisher habe ich immerhin einen Song geschrieben, der zu 95% auf Englisch ist und der auch auf dem neuen Album sein wird. Und ... ich würde gern mal auf Deutsch singen (lacht). Aber es ist so schwer! Ein Song auf Indonesisch wäre auch schön, denke ich. Zum Anfang wäre es sicher großartig, wenigstens ein paar Wörter der jeweiligen Sprache in einen Song einfließen zu lassen.

Wenn du an deine Arbeit als Musikerin denkst, was findest du am besten daran?

Haruka: Ich liebe es am meisten, auf der Bühne zu stehen und in neue Länder zu reisen, so wie ich auch nach Berlin gekommen bin. Es ist immer wieder eine neue Erfahrung. Denn durch Musik kann man viele Menschen treffen und neue Kulturen kennenlernen, was ich absolut spannend finde. Das ist das Tollste daran, Musikerin zu sein.

Ist es inspirierend für dich, mit den Leuten während und nach deiner Show in Kontakt zu kommen? Inspirieren dich diese Begebenheiten für neue Songs?

Haruka: Ja, natürlich! Mein neues Album trägt den Titel "Unite!" und dafür habe ich ganz besonders von meinen Shows im Ausland viel Inspiration erhalten. Zum Beispiel Menschen zu vereinen und zusammenzubringen, ähnliche Erfahrungen zu teilen, ...

In der Musik gibt es keine Grenzen, doch manchmal gibt es eine Sprachbarriere zwischen einer japanischen Band und ihren Fans. Denkst du, dass diese Barriere in den letzten Jahren kleiner geworden ist oder muss noch viel getan werden, um sie zu überwinden?

Haruka: Nun ja, ich denke, da gibt es immer noch ein Problem. Was uns Japaner anbelangt ... unser Englisch ist einfach nicht gut. Glücklicherweise habe ich in Australien gelebt, daher kann ich Englisch sprechen, aber für andere Künstler ist das sehr schwierig. Ich denke, dass es nicht unbedingt notwendig ist, dass sie auf Englisch singen, aber es wäre einfacher, wenn sie etwas mehr Englisch sprechen würden. Zum Beispiel während der MCs auf der Bühne. Wenn sie zusätzlich noch die Sprache des Auftrittsortes ein bisschen sprechen könnten, wäre das sogar noch besser.

Wie YANAKIKU das während ihrer Shows gemacht haben?

Haruka: Ja, genau! Ich halte das für eine gute Idee. Nur ein paar Worte der lokalen Sprache zu lernen kann das Eis sofort brechen. Ich glaube, dass die japanischen Bands sich noch sehr anstrengen müssen. Ich will keinesfalls eingebildet klingen, aber ich glaube wirklich, dass es noch Luft nach oben gibt. Wenn japanische Bands ein kleines Bisschen Englisch sprechen würden, gäbe es noch mehr Menschen, die japanische Musik zu schätzen wüssten, denn sie könnten sich mit den Musikern verständigen. Das würde vieles einfacher machen.

Gerade bist du als Solokünstlerin tätig. Aber kannst du dir vorstellen, in einer Band zu spielen? Oder bist du lieber Solokünstlerin?

Haruka: Ich mag es, Solokünstlerin zu sein, denn so habe ich alle Freiheiten und kann flexibel sein. Aber gleichzeitig finde ich Bands und diesen "Band Sound" sehr kraftvoll. Ich habe MAGIC OF LiFE letzte Nacht live gesehen und ihr Sound ist wirklich stark, kraftvoll und überzeugend. Ich würde auch gern mit guten Musikern zusammenarbeiten und ich wäre auch gern mit anderen Musikern zusammen auf der Bühne. Beispielsweise wie bei Support-Musikern für Konzerte. Ehrlich gesagt, mache ich das so in Japan, aber wenn ich mit diesen Musikern ins Ausland reisen würde, würde das meiner Meinung nach zu viel kosten. Und für die Organisatoren von Conventions würde es womöglich schwierig sein, alle Bandmitglieder einer Supportband auch einzuladen. Daher komme ich alleine ins Ausland und spiele mit Support-Musikern in Japan.

Zeit, von Großem zu träumen: Was möchtest du wirklich gern erreichen als Musikerin?

Haruka: In den letzten Jahren haben mir viele Menschen genau diese Frage gestellt. Also, was mein ultimatives Ziel als Musikerin ist. Ich habe wirklich viel und intensiv darüber nachgedacht. Ich würde sagen, dass ich kein bestimmtes Ziel habe wie "Ich möchte in dieser Location auftreten" oder "Ich möchte gern an diesem Ort spielen". Aber mein Ziel ist es, so viele Menschen wie möglich durch meine Musik zu treffen und so viele Menschen wie möglich mit meiner Musik zu inspirieren. Menschen aus der ganzen Welt und aus jedem Land zu treffen, das ist mein ultimatives Ziel. Also nicht eine bestimmte Anzahl von CDs zu verkaufen oder eine bestimmte Anzahl an Shows zu spielen.

Aber gibt es ein paar Orte, die du gern besuchen möchtest? Nicht als ultimatives Ziel, sondern einfach so?

Haruka: Gerade möchte ich wirklich gern nach China gehen. Weil es unser Nachbarland ist und ein großer Geschäftspartner für Japan. Aber ich denke, dass es sich bei China um einen geschlossenen Markt handelt, weil sie große Teile des Internets verbieten. Also, nicht das komplette Internet, aber die Chinesen dürfen keine sozialen Medien wie Facebook und Twitter benutzen. Daher ist China ein unzugänglicher Markt für mich. Ich bekam die Möglichkeit, in Berlin und Budapest zu spielen durch Social Media und E-Mails. Aber sogar Google ist in China gesperrt, und ohne das und die sozialen Medien ist es wirklich schwer, Shows zu buchen. Das ist das Kernproblem. Aber ich würde wirklich gerne in China auftreten.

Vielen herzlichen Dank für dieses Interview. Bitte hinterlasse noch eine Botschaft für unsere Leser!

Haruka: Vielen herzlichen Dank fürs Lesen! Ich bin wirklich dankbar für die Möglichkeit, wieder in Berlin aufzutreten – und das war alles nur durch eure Unterstützung möglich! Wenn ihr mich nicht unterstützt hättet, wäre ich nicht hier. Die Organisatoren der Anime Messe haben mich erneut eingeladen, weil meine Fans mich so unterstützt haben. Sie wollten mich wieder auf der Bühne haben und dafür danke ich allen sehr! Ich würde so gern ganz bald wieder nach Berlin kommen und ich würde sehr gern mehr Shows hier und auch im Rest von Deutschland spielen. Also bitte unterstützt mich auch weiterhin!
künstler
Kommentare
blog comments powered by Disqus
anzeigen